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Einleitung

 

In diesem Kapitel geht es um eines der wichtigsten Themen für Bands überhaupt: die Bandanlage. Denn ohne Verstärkung kommt heute selbst eine Folk-Gruppe kaum mehr aus, sobald sie sich auf eine Bühne stellt.

 

Zwar gibt es auch Veranstalter, die eine komplette Saalbeschallung bereit stellen, aber das ist die Ausnahme. Vielfach ist es sogar so, das eine Band an dem Aufwand gemessen wird, den sie mit ihrer Anlage betreibt. An solchem Hype muss man sich nicht beteiligen. Fakt ist aber, dass eine gut eingestellte Bandanlage, bedient von einer für den Sound verantwortlichen sachkundigen Person, entscheidend zum Gelingen eines Auftritts beitragen kann. Das Publikum quittiert es dankbar, wenn es nicht mit Soundbrei zugedröhnt wird, sondern Gesang und Instrumente trennscharf in HiFi-ähnlicher Qualität zu orten sind. Das wird häufig selbst bei Top Acts nicht genügend beachtet. Ich habe mal die Rolling Stones in der Dortmunder Westfalenhalle erlebt und war fassungslos. Da wurde eine gigantische Anlage auf etlichen Tiefladern herbeigekarrt und das Klangerlebnis war wirklich Müll. Pink Floyds "The Wall" in derselben Halle war im Vergleich dazu Musik wie von einem anderen Stern. Es kann also nicht schaden, wenn Musiker(innen) sich nicht einfach die Teile hinstellen, sondern sich mit dem beschäftigen, was da technisch und akustisch eigentlich passiert. Am Ende kann dabei sogar manche Mark gespart werden, wenn man sich etwa seine Kabel selber lötet oder durch Sach- und Fachkunde Fehlkäufe vermeidet.

 


 

Vor dem Kauf   top

 

Oberstes Prinzip einer Kaufentscheidung sollte immer Qualität vor Quantität sein. Es macht wenig Sinn, fünf Verstärker der völlig neuen (und unbekannten) Marke "DRÖHN" anzuschaffen, die dann auch so klingen, wie sie heißen und von denen niemand weiß, wie lange sie ihr Gedröhn aushalten. Ein Verstärker der Sorte "SOLIDE UND BEWÄHRT" bringt vermutlich sehr viel mehr Ausgewogenheit und Druck im Sound und der Service ist gewährleistet. Fazit: Sonderangebote und "Superneuheiten" meiden!

Wahnsinnsleistungsangaben sagen kaum etwas aus. Wichtig ist das Prinzip der Signalverarbeitung, die Art der Schallwandlung und der Wirkungsgrad der Lautsprecher (siehe Lautsprecher). Ein kleiner Kofferverstärker mit einem Verstärkerteil in Röhrentechnik und einem Markenlautsprecher mit hohem Wirkungsgrad bringt allemal mehr Leben und Power in einen Gitarrenklang als ein Riesenturm mit Billigstbestückung in Transistortechnik in tollen Popfarben des Versandhauses "SCHNELL". Und was nützen schon 400 Watt, was nützt ein tolles Exponentialhorn für die Bassanlage, wenn der Übungsraum gerade mal 20 qm misst? Außerdem lassen sich kleine Anlagen gut transportieren. Fazit: Immer auf dem Teppich bleiben! Einsatzzweck und -ort der Verstärker überlegen!

Anschaffungen sollten sich daran orientieren, wie groß die Band sein (werden) soll. Dabei ist zu beachten, dass nach Möglichkeit mindestens jede Instrumentengruppe eine eigene unabhängige Verstärkung besitzt. Es ist schlecht für das Klangbild, wenn zum Beispiel der Bass mit einem anderen Instrument ein und dieselbe Anlage benutzt. Eher ist es möglich, zwei Gitarren in einen Verstärker zu führen oder zwei Keyboards. Gemischt führt zum Klangbrei. Überhaupt sollte der Gesang im Idealfall immer unabhängig allein verstärkt werden, denn Sänger haben es in einer Band wohl am schwersten, sich durchzusetzen. Fazit: Klarheit im Klang vermeidet Machtkämpfe!

Je nach Etat wäre zu überlegen, ob von Anfang an ein Mischpult eingeplant wird, das später bei Auftritten im Saal aufgestellt werden kann. Dazu benötigt man zusätzlich ein langes Bühnenkabel (Multicore) und eine Stagebox. Es gibt so genannte Powermischpulte, in die ein Verstärker schon eingebaut ist, so dass nicht noch zusätzlich Endverstärker (Endstufen) gekauft werden müssen. Wenn Mischpult, dann natürlich auch spezielle Boxen zur Saalbeschallung (Fachbegriff: PA=Public Adress). Für leichten Transport und problemlose Anwendung sollte man kompakte Mehrwegboxen in Erwägung ziehen. Sie haben gegenüber den großen Mehrwegsystemen den Vorteil, dass bei ihnen die Zusammenschaltung über Frequenzweichen und der Mehraufwand für die Gesamtverstärkung (mehrere Endstufen) entfällt. Fazit: Vorausplanen!

Mindestens für den Gesang werden Mikrofone benötigt. Diese solltet ihr nicht beim Elektronikladen an der Ecke kaufen (im Dutzend billiger!), denn die dort angebotenen sind für Bandzwecke selten geeignet und klingen oft wie Telefonkapseln. Alle Markenhersteller von Mikrofonen haben in ihrer Angebotspalette auch erschwingliche Typen mit guten Werten. Aber schafft nur Mikros an, die eine ausgesprochene Richtcharakteristik haben (Superniere), da sonst im Übungsraum das Übersprechen (also die Einstreuung) anderer Instrumente in die Gesangsmikrofone zum Problem werden kann (Schlagzeug verdrängt die Stimme, Rückkopplungen). Fazit: Lieber ein Mikrofon für 100 EUR als zehn für 10 EUR!


 

Mischpult   top

Früher setzte man Gesangsverstärker für die Saalbeschallung ein. Das waren Geräte, die vielleicht vier Eingänge für Mikrofone aufwiesen, ein paar Regler, sowie einen - für heutige Verhältnisse denkbar schwachen - Endverstärker in Röhrentechnik. Wem die Zahl der Eingänge nicht ausreichte, und das war nicht selten der Fall, der musste auf die allseits beliebten Y-Kabel zurückgreifen (zwei Kupplungen, parallel geschaltet), mit denen man dann zwei Mikros an einen Eingang anschloss. Das Ganze wurde mit möglichst viel Hall oder Echo "veredelt". Heutige Musiker sind anspruchsvoller geworden. Zu einem guten Sound gehört ein Mischpult. Der "Mixer" ist zur Schaltzentrale moderner Bandanlagen geworden.

Die Entwicklung von der Röhrentechnik über die Transistortechnik bis hin zu den heutigen integrierten Schaltkreisen hat es möglich gemacht, leistungsfähige Elektronikeinheiten auf kleinem Raum unterzubringen. Davon profitieren auch Amateurmusiker. Sie können mit kleinen Mischpulten anfangen, die - verglichen mit früher - in ihren Regelmöglichkeiten luxuriös wirken. Dabei unterscheidet man zwischen einfachen Pulten und so genannten Powermixern, die bereits einen Stereoverstärker enthalten.

Kleinmischpult Spirit Folio

Ein kleines Mischpult mit sechs bis zwölf Eingangskanälen kann das Bandleben schon sehr erleichtern. Einzelne Mikrofone und besonders hervorzuhebende Instrumente können hier zusammengefasst und in ihrer Gesamtlautstärke und ihrem Klang abgemischt werden. Solche Kleinmixer stellt man am besten auf der Bühne auf und lässt sie von einem Mitmusiker bedienen, wenn man noch keinen Bandtechniker hat.

Mit steigenden Anforderungen wachsen Pult und Zahl der Eingangskanäle. Dies kann ein aktiver Musiker nicht mehr kontrollieren. Der Mixer kommt in den Saal und ein weiteres Bandmitglied mit gutem Gehör und Sinn für Klang und Technik muss für die Bedienung her.

Grundsätzlich sollte jede über das Mischpult geführte Tonquelle einen eigenen Kanal mit Lautstärke- und Klangregelung bekommen. Die Klangregelung sollte auch bei kleinen Mischern dreibändig sein, d.h. in Höhen, Mitten und Bässen beeinflussbar sein. Besser noch ist eine Parametrische Klangregelung, bei der man die Klangbänder einstellen kann. Musiker profitieren gerade im Bereich der Mischpulte von dem niedrigen Preisniveau der Computerindustrie, denn nichts Anderes als Computertechnik spielt sich im Inneren moderner Mixer ab. Ältere Musiker (wie ich) können nur staunen, was man für kleines Geld heute alles bekommt. Allerdings ist auch hier die Preisskala nach oben offen, wenn man die qualitativen Ansprüche von Profimusikern stellt. Ganz abgesehen von den Pulten, die sich in Aufnahmestudios befinden und die ein Vermögen kosten. Aber so weit wollen wir hier nicht gehen.

Folgende Features kann ein bezahlbares Mischpult für eine aufstrebende Band heute durchaus bieten:

  • Mikrofoneingänge mit Umschaltung auf 48V-Phantomspeisung (für Kondensatormikrofone)

  • Lineeingänge

  • Trim-Regler pro Kanal für die Eingänge

  • Lautstärkeregelung durch Schieberegler (Fader, 100 mm) pro Kanal und Summe (stereo)

  • Aus- oder Übersteuerungsanzeige für Kanal und Summe (VU-Meter oder LED)

  • Auxiliary-Regler (stereo) zum Einmischen von Effekten (Hall)

  • Return (stereo) zum Mischen des Effektanteils auf die Summe

  • Panorama-Regler zur Einstellung von Links, Rechts, Mitte des Kanals in der Stereosumme

  • Foldback oder Subgruppen-Routing zur Mischung des Kanals auf eine Monitoranlage

  • Klangregelung, mindestens dreibändig, besser parametrisch

  • Low-Cut für Tiefstfrequenzen (Trittschall, Brummen)

  • Vorhörtaste zum Abhören des Einzelkanals nur über Kopfhörer

  • Kopfhörerausgang

  • Talkback zur direkten Verständigung mit der Bühne/Übungsraum

  • Anschlüsse für externe Geräte wie Tonband, Kassettendeck, DAT, Minidisc

  • Foldback-Summe oder Subgruppe zum Monitoring

  • Stereo-Summe

Mit einem so ausgerüsteten Mischpult kann man sich sogar schon eines kleines Aufnahmestudio einrichten, wenn die Verhältnisse am Übungsraum es zulassen und das Pult in einem seperaten Raum untergebracht werden kann. Dann hat man die Möglichkeit, beim Üben immer mitzuschneiden und kann anschließend zwecks Diskussion und eventueller Korrektur des musikalischen Bildes das Material anhören. Schon eine Kassettenaufnahme reicht völlig. Im Übrigen ist ein Mischpult beim Üben kein Luxus. Es verhindert bei kompetenter Kontrolle, dass die einzelnen Musiker(innen) an ihren Geräten immer weiter die Lautstärke hoch schrauben. Gönnt man sich noch ein paar Kopfhörer und einen Kopfhörer-Amp, dann sind die Übungsbedingungen schon ziemlich professionell.

Wer sein Mischpult beim Auftritt im Saal aufstellen will, darf nicht vergessen, dass zusätzlich noch ein entsprechend langes Kabel (Multicore) angeschafft werden muss, das der Zahl der Ein- und Ausgangskanäle des Mischpultes gerecht wird.

Multicore mit Stagebox

Hat man 16 Eingänge und 4 Ausgänge, so muss das Kabel mindestens 20 zweiadrige, einzeln abgeschirmte Kabelstränge haben. Davon führen dann 16 von der Bühne ins Pult und 4 vom Pult zur Bühne (2 zur Stereoendstufe der PA und 2 zur Stereoendstufe der Monitoranlage). Auf der Bühne befindet sich am Kabelende die Stagebox mit den Ein- und Ausgängen. Am Pultende hat das Kabel ein aufgespleisstes Ende mit den entsprechenden Steckern. Diese sollten immer in XLR-Ausführung sein, damit das Kabel erdfrei-symmetrisch betrieben werden kann (siehe Stecker). Bei der Kabellänge, die man nicht unter 30 Metern ansetzen sollte, würde sonst der Leitungsverlust und der Störbrumm sehr hoch werden. Bei einem ordentlichen Multicore sind übrigens nicht nur die einzelnen Adern abgeschirmt, sondern zusätzlich noch einmal das Gesamtkabel.

Ihr tut gut daran, euch direkt ein fertig konfektioniertes Multicore zu kaufen, es kostet nicht die Welt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die eigene Herstellung an die Musikersubstanz geht. Allein das Löten...! Aber früher waren Bühnenkabel, wenn man sie überhaupt irgendwo bekam, jenseits aller Preisvorstellungen. Wir haben uns damals Stereokabel auf Rollen gekauft, auf Länge geschnitten und durch einen Gartenschlauch gewürgt. Wir haben daran mehrere Wochen "gebastelt". Aber gut, wenn man sonst nichts zu tun hat, bitte!


PA   top 

Der Begriff PA ist ein Kürzel für "Public Address" (an die Öffentlichkeit gerichtet). Im Musiker-Jargon ist damit schlicht die Anlage gemeint, mit der das Publikum beschallt wird, also jene Boxen einschließlich Verstärker, die gewöhnlich links und rechts am Bühnenrand stehen. Zudem ist das Mischpult ein wichtiges Glied in der PA-Kette.

Doch die Unterschiede verschiedener PA-Anlagen können gewaltig sein. Es leuchtet auch ein, dass eine Band, die das örtliche Jugendheim beschallen will, wohl anders bestückt ist als eine Band, die in einem Stadion 60.000 Zuhörer ereichen will.

Im Prinzip unterscheidet man drei Sorten von PA-Anlagen:

Systeme mit eigener Verstärkung

Das sind Lautsprecherboxen mit eingebauter Endstufe. Solche Boxen sind mit speziellen Endstufen versehen, die auf die Lautsprecher optimal abgestimmt wurden. Es handelt sich dabei um Fullrange-Boxen, die das ganze (für PA nötige) Frequenzspektrum abdecken. Beliebt sind sie in Form von Monitorboxen, da man sie individuell im Klang und in der Lautstärke regeln kann.

Passive Systeme

Passiv werden Lautsprecherboxen genannt, die mit einer externen Endstufe betrieben werden und über eine interne Frequenzweiche verfügen. Als Beispiel seien die bekannten 15/3-Boxen genannt, ebenfalls also Fullrange-Boxen, die Lautsprecher für Höhen, Mitten und Bässe enthalten, die wiederum von einer entsprechenden 3-Weg-Frequenzweiche gesteuert werden. Das Ganze wird dann mit einer geeignet starken Endstufe betrieben.

Aktive Systeme

Als aktive Systeme bezeichnet man Boxen-Systeme, die externe Frequenzweichen und externe Endstufen für den Betrieb benötigen. Die entsprechenden Komponenten wie Endstufen, Frequenzweichen und die entsprechenden Verbindungskabel zwischen den Endstufen und den Frequenzweichen sind im Lieferumfang immer bereits enthalten. Aktive Systeme sind am aufwändigsten, weil sie nicht "Fullrange" sind. Es gibt jeweils Boxengruppen für Höhen, Mitten und Bässe. Jede Gruppe hat eigene Endstufen, die - über entsprechende Frequenzweichen laufend - die Boxen betreiben. In Großbeschallungen werden ausschließlich aktive Systeme eingesetzt, weil sie wesentlich flexibler sind in der Anordnung der Lautsprecher. Man kann damit etwa akustischen Löchern oder Feedback-Problemen besser begegnen. Eiine spezielle Form eines aktiven Systems ist das Line Array, bei dem gleichartige Lautsprecher auf einer Linie angeordnet werden, was für die Ausbreitung der Schallwellen positive Folgen hat. Der PA-Schall erreicht die Bühne nur stark reduziert, es gibt weniger Feedback und die herabgesetzte Lautstärke hat den positiven Effekt, dass die Musiker sich und den Monitorsound besser hören können.

Ein typisches Line Array für Großveranstaltungen, "fliegend" installiert:

Grundtyp einer passiven PA ist eine Anlage mit zwei Fullrange-Boxen, angeschlossen an eine Stereoendstufe oder einen Powermixer. Einen höheren Wirkungsgrad erreicht man durch ein gezieltes Stapeln gleichartiger Boxen (Stacking). Die große Fläche mit vielen Lautsprechern wirkt dann wie ein einziger Lautsprecher.

Eine weitere Möglichkeit ist die Anordnung einer Hochton-/Mitten-Box auf einer Tiefbass-Box mittels einer Distanzstange. Solche Anlagen tragen aber nicht sehr weit und sind daher nur für kleinere Beschallungsaufgaben geeignet.

Für große Hallen oder gar Open Air wird man um eine aktive PA und weit tragende Hornsysteme nicht herum kommen. Aber damit beschäftigen sich weder Anfängerbands, noch Superstars. Die lassen nämlich beschallen, indem sie die nötigen Anlagen anmieten.

Monitoring

Im Umfeld einer PA muss unbedingt das Monitorsystem erwähnt werden. In kleinen Clubs kommt man zur Not ohne aus, mit wachsender Bühne ist es aber unerlässlich. Man glaubt es kaum, aber eine PA kann noch so wattstark sein, auf einer großen Bühne hört man ohne Monitore nichts so, wie es das Publikum hört. Es gibt nichts Schlimmeres als in einem akustischen Loch zu stehen oder gegen sein eigenes Echo anzusingen.

 

Abhilfe schafft eine separate Monitoranlage. Bekannte Acts haben für diesen Zweck extra ein Monitormischpult in der Größenordnung des Saalmischers inkl. Personal am Bühnenrand postiert. Ein ungeheurer Aufwand wird z. B. bei der bekannten Nokia Night Of The Proms betrieben. Da werden alle Orchestermusiker und Sänger (200 Leute?) mit In-Ear-Monitoring versorgt und alle haben Head-Mikros oder direkte Instrumentenmikros. Der Sound ist unglaublich gut!

 

Das können wir uns natürlich nicht leisten. Uns bleiben normale Monitorboxen (Wedges), die natürlich eine eigene Endstufe erfordern, die wiederum über das Foldback des Mixers angesteuert wird. Oder man wählt die teureren, aber flexibleren aktiven Monitore, sodass die Endstufe entfällt. Im Grunde benötigt jeder Musiker und Sänger einen Monitor. Er muss dabei im Monitor sich selbst hören und Instrumente/Sänger mit denen er besonders im Einklang stehen muss. Es ist unbedingt nötig, dass der Drummer den Bass und umgekehrt hört. Wenn man sich so viele Monitorboxen nicht leisten kann, gilt folgende Reihenfolge: 1. Sänger, 2. Rhythmusgruppe. Wer sich etwas mehr Aufwand leisten kann (erfordert mehr Foldback-Kanäle am Mixer), kann außer den einzelnen Musikermonitoren noch links und rechts der Bühne zwei so genannte Sidefills aufstellen. Das sind Mehrwegboxen, die im rechten Winkel zur PA über die Bühne einen Grundsound abstrahlen. So hören die Musiker überall auf der Bühne in etwa ihren PA-Sound und können sich auch mal von den Wedges weg bewegen, die den individuellen Klang bereit halten. Natürlich muss ein so aufgestelltes Monitoring sehr gut eingestellt sein, sonst ist das Feedback vorprogrammiert. Da hilf ein automatischer Feedback-Killer oder ein per Messmikrofon einstellbarer Equalizer.

 


 

Mikrofone   top

 

Für Mikrofone gilt, was bereits bei den Lautsprechern gesagt wurde: Sie sind ebenfalls ein schwaches Glied in der Übertragungskette. Es gibt kein Mikrofon, das in der Lage ist, genau das wiederzugeben, was es aufnimmt. Allerdings gibt es hochwertige (und teure) Exemplare der Studiotechnik, die dem Ideal nahe kommen. Mikrofone sind vom Funktionsprinzip her umgekehrte Lautsprecher. Hier wird zuerst der Schalldruck erzeugt. Der wiederum trifft auf die Membran, die die Energie an die Schwingspule weitergibt. Die Schwingspule bewegt sich im Magnetfeld eines Dauermagneten und erzeugt auf diese Weise eine dem Schalldruck proportionale Wechselspannung. Sie ist zwar sehr gering, aber das Mikrofon wird ja in den Eingang eines Verstärkers oder Mischpultes geführt, wo sie verstärkt wird.

 

Es gibt nun viele Arten von Spezialmikrofonen, etwa Kondensatormikrofone, die mit einer Speisespannung arbeiten. Für unsere Band bleiben wir auf dem Teppich und sehen uns nur im Bereich der eben beschriebenen dynamischen Mikrofone um. Auf der Bühne werden überwiegend dynamische Mikrofone verwendet. Sie sind unempfindlich und zuverlässig und vergleichsweise preiswert. Vermutlich geht es auch zuallererst darum, passable Mikrofone für den Gesang zu finden.

 

Für Rockmusik werden Mikros mit Nahbesprechungseffekt benötigt, die zudem rückkopplungsarm sind. Unter dem Nahbesprechungseffekt versteht man, dass ein Mikrofon bestimmte Frequenzen mehr oder weniger stark anhebt, wenn man es sehr nah besingt. Dadurch wird die Stimme sehr kräftig, das Mikrofon macht Druck und Sound. Die Frequenzangebung erfolgt bei etwa 200 Hz. Ein solches Gesangsmikro hat natürlich keinen linearen Frequenzgang. Ein berühmtes Beispiel für diesen Mikrofontyp ist das auf allen Rockbühnen der Welt immer noch gegenwärtige SM58 von Shure, das inzwischen Kultstatus hat und von Sängern gerade wegen seiner Soundeigenschaften geschätzt wird, obwohl es absolut nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist.

 

Der typische Nahbesprechungseffekt verändert den Klang, wenn man die Entfernung vom Mund zum Mikro ändert. Erfahrene Sänger haben dafür eine Mikrofontechnik entwickelt: Bei leisen Stellen ran ans Mikro, das macht die Stimme warm und präsent. Bei lauten Passagen weg vom Mikro, damit die Stimme nicht übersteuert.

 

Arm an Rückkopplung (Feedback) wird ein Mikrofon dadurch, dass es eine bestimmte Richtwirkung (Richtcharakteristik) hat. Damit meint man den Bereich oder Winkel der Schalleinstrahlung, den das Mikrofon besonders gut aufnimmt, während es alle Schallereignisse, die außerhalb dieses Winkels liegen, abdämpft.

 

Mikrofone mit Kugelcharakteristik nehmen - wie der Name schon sagt - rundherum gut auf. Ein solches Mikro ist für die Bühne ungeeignet. Mikrofone mit Nieren- oder Supernierencharakteristik nehmen in einem stark eingeschränkten Bereich auf (siehe Abbildungen). Sie sind geeignet, weil man sie gut auf eine Schallquelle (den Sänger) ausrichten kann und die übrigen Instrumente nicht in sie hineinstreuen können.

 

Charakteristika   top

  1. Kugelcharakteristik: Mikrofontyp, der von allen Seiten gleich empfindlich ist, wird bei der Tonaufzeichnung benutzt

  2. Nierencharakteristik (Cordioide): meistgenutztes Richtmikrofon, größte Empfindlichkeit vor der Kapsel in einem nierenförmigen Bereich, Nutzung als Handmikrofon

  3. Superniere: der Aufnahmewinkel ist noch mehr verengt als bei der Niere; besonders für Live-Sänger geeignet

  4. Achter: von vorn und hinten volle Empfindlichkeit, seitlich minimal, wird eingesetzt bei schwierigen Aufnahmesituationen, Chor, Hörspiel

  5. Keule: typisches Richtmikrofon mit keulenförmiger Bündelung des Empfindlichkeitsbereiches, hohe Seitwärts- und Rückwärtsdämpfung, wird gebraucht für Fernaufnahmen

Auf der Bühne gilt der Grundsatz, so wenig Mikrofone wie möglich zu verwenden. Viele Mikrofone

  • erhöhen die Rückkopplungsgefahr;

  • nehmen unerwünschte Hintergrundgeräusche und Kabelbrumm auf;

  • können den Klang verwässern, da einzelne Instrumente in der PA durch Übersprechen nicht zu trennen sind.

Beim Kauf daran denken: Einige gute Mikrofone machen den Klang besser als viele schlechte. Ebenso ist zu beachten, dass niederohmige Mikrofone gekauft werden. Diese können ohne nennenswerten Höhenverlust an längeren Kabeln betrieben werden. Niederohmige Mikrofone können auch an hochohmige Eingänge ohne Klangeinbuße angeschlossen werden. Umgekehrt geht's nicht, da hochohmige Mikros nur an hochohmigen Eingängen funktionieren.

 

Eine weitere gute Mikrofoneigenschaft sollte sein, dass es körperschallarm und griffunempfindlich ist. In einem Musikermikrofon muss die Mikrofonkapsel elastisch aufgehängt sein, damit man es in die Hand nehmen kann, ohne dass es im Lautsprecher rumpelt. Ebenso sollte der Mikrofonkorb so gestaltet sein, dass Pop- und Windgeräusche weitgehend abgefangen werden. In diesem Zusammenhang sei auf eine Unsitte hingewiesen, die man bei Amateuren häufig antrifft. Um zu testen, ob ein Mikro eingeschaltet ist, schlägt man mal kräftig mit den Fingern auf den Korb oder pustet allzu heftig hinein. Mit solchen Orkanstürmen kriegt man jede Membran irgendwann klein. Ein Mikro ist nach wie vor ein empfindliches Teil!

 

Nun haben Gitarristen, die singen wollen, kaum eine Hand fürs Mikro frei. Mikrofonstative hat man in einer Band nie genug. Bewährt haben sich die so genannten Galgenstative, die 1. universell einsetzbar und 2. gut zusammenlegbar sind.

 


 

Kabel, Stecker, Anschlüsse   top

 

In diesem Kapitel soll es um das weite (aber auch leidige) Feld der Kabel und Anschlüsse im Musikerleben gehen. Gerade bei Einsteigern hat sich oft gezeigt, dass infolge von Unkenntnis manche Anlage schnell außer Betrieb gesetzt und der Reparaturetat arg strapaziert wurde.

 

Es ist auch nicht weiter verwunderlich, wer befasst sich im normalen Leben schon mit Kabellöten? Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass im Bereich Fehlbedienung von Geräten bzw. Fehlbelegung von Anschlüssen nichts unmöglich ist. Man glaubt nicht, was die Leute so machen! Es gilt die Regel: Input – Output – kaputt.

 

Insofern möchte ich dringend dazu raten, sich intensiv mit diesem Kapitel zu beschäftigen. Es ist auch deshalb sinnvoll, weil man mit derlei Kenntnissen eine Menge Geld sparen kann, das anderweitig sinnvoller zu verwenden ist.

 

In elektrisch verstärkten Bands ist nichts wichtiger als ein großer Vorrat an Steckern, Kabeln, Anschlüssen und Adaptern aller Art. Mit ein wenig Geschick kann man vieles davon gemeinsam zusammenlöten (was die Band im wörtlichen Sinn auch zusammenschweißt). Entsprechende Einzelteile sind im einschlägigen Elektronik-Versandhandel ungleich billiger als beispielsweise fertige Kabel. So sollte dann auch zur Grundausstattung einer Band immer ein vernünftiger Lötkolben oder eine kleine Lötstation gehören.

 

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass alle Arbeiten, die im Zusammenhang mit Strom führenden Leitungen und Teilen (230 V/Starkstrom) stehen, unbedingt vom Fachmann ausgeführt werden sollen. Es könnte lebensgefährlich werden, in diesem Bereich herumzubasteln!

 


 

Regeln   top

  

Einige Grundregeln für den Umgang mit Instrumentalanlagen und Orchesterelektronik sollen hier genannt werden:

  • Gebrauchsanleitungen gehören nicht in die Schublade, sondern in einen Ordner, der im Übungsraum bereitstehen sollte. Zur Sicherheit Kopien anfertigen, die Originale verschwinden auf die merkwürdigsten Arten. Gebrauchsanleitungen sollten auch gelesen werden, besonders beim Erstbetrieb eines Gerätes. Die Methode "Erstmalüberalldranrumdrehen" hat schon so manches Gerät auf Anhieb gekillt.

  • Vor dem Einschalten eines Gerätes (Verstärker, Mischpult, Keyboard, Effekte, Tape) sollte man sich überzeugen, dass es auch auf unsere Stromverhältnisse eingestellt ist. Beim Kauf vom Händler bestätigen lassen! Es gibt mittlerweile auf dem Instrumentenmarkt eine Menge Grauimporte. Es kann also sein, dass der neu erworbene Bandverstärker auf eine Spannung eingestellt ist, die nicht unseren Normen entspricht. Das kann gefährlich werden!

  • Vor dem Einschalten eines Verstärkers sollte man tunlichst das Eingangs- und Ausgangsvolumen auf Null stellen. Das schont die Nerven und die Lautsprecher.

  • Vor dem Einschalten eines Verstärkers sollte man (falls dieser an eine externe Lautsprecherbox anzuschließen ist) kontrollieren, ob auch tatsächlich Box und Verstärker durch ein passendes Lautsprecherkabel verbunden sind. Als Lautsprecherkabel eignet sich kaum Klingeldraht. Es gilt: je dicker, je besser.

  • Vor dem Einschalten eines Gerätes sollten die Anschlussmöglichkeiten gecheckt werden. Lasst euch nicht auf wohlmeinende Experimente ein. Schöne Beispiele für elektronischen Vandalismus gibt es regelmäßig: Lautsprecherausgang eines Verstärkers in Mikrofoneingang des Mischpultes, damit's lauter wird. Peng! Faustregel: Hintere Anschlüsse eines Verstärkers sollten nicht in die Frontanschlüsse desselben oder eines anderen Verstärkers oder in ein Mischpult geführt werden, es sei denn, sie sind eindeutig als solche gekennzeichnet und es steht in der Anleitung. Eine "Echo send/Echo return" Buchse hinten an einem Verstärker wäre zum Beispiel eine Stereoklinkenbuchse, die zum Anschluss an die entsprechenden Eingänge eines Hallgerätes geeignet ist.

  • Falls eure Band Musikinstrumente verwendet, die einen MIDI-Anschluss haben, sollten die (stromführenden!) MIDI-Kabel nur bei ausgeschalteten Instrumenten gesteckt werden. Dies gilt auch für in die Anlage integrierte Computersysteme mit MIDI-Interface. Andernfalls könnten elektronische Bauteile zerstört werden, was wiederum teuer wird.

  • Wahrscheinlich gibt es noch tausend weitere Dinge zu beachten. Ihr werdet es schon selbst merken. Aber was wäre das Musikerleben ohne Überraschungen?

Bei Steckern und Kabeln gibt es für die Beschaltung eine Unzahl von Normen. Auch die Kontaktbelegungen sind durchaus nicht einheitlich. Ebenso vielfältig sind die Benennungen der einzelnen Adern bei Tonleitungen: (+) und (-), heiß und kalt, (+) Phase und (-) Phase sind In Umlauf. Für (+) sagt man auch "Life".

 

Irreführend sind eigentlich die Bezeichnungen (+) und (-), da diese für den Gleichstrom (Batteriepole!) gelten, wir es aber bei Tonleitungen mit Wechselstromverhältnissen zu tun haben. Ich möchte sie dennoch verwenden, weil es für Laien anschaulich ist.

 

Achtet unbedingt auf die Nummerierung der Pole bei den einzelnen Steckerarten und den entsprechenden Buchsen. Meist sind die Nummern eingegossen. Besonders ist darauf zu achten, dass bei den Buchsen die Durchnummerierung spiegelbildlich zu den Steckern geschieht (jeweils von der Lötseite betrachtet).

Ein fehlerhaftes Kabel, ein defekter Stecker, eine falsche Beschaltung oder Bedienung können ein Bandprojekt bereits im Ansatz zum Scheitern bringen. Viel Spaß also bei dieser Materie, besonders, wenn du zum ersten Mal an den heißen Lötkolben greifst.

 


 

Steckerarten   top

 

Für alle angegebenen Stecker gibt es jeweils auch entsprechende Buchsen. Natürlich gibt es noch jede Menge weiterer Stecker für den Spezialbedarf. Die hier genannten sind die im Bereich der Musikelektronik am häufigsten anzutreffenden.

  • Der Bananenstecker wird in der Regel nur für Mess- und Prüfzwecke verwendet (wenn man dies in einer Band selbst machen kann). Für den Einsatz in der Bühnentechnik ist er eher gefährlich, da er Kurzschlüsse verursachen kann.

  • Der Cinch-Stecker wird beim Anschluss von HiFi-Geräten verwendet. Bei Instrumentalanlagen kommt er kaum vor, da zu klein, zu wacklig und ohne ausreichende Zugentlastung.

  • Der Lautsprecher-DIN-Stecker ist nur zum Anschluss von HiFi-Boxen geeignet, da wenig belastbar.

  • Der DIN-Stecker (Dioden-Stecker) ist in 3- oder 5-poligen Ausführungen gängig. Sonderformen gibt es bei Computern. Er findet seinen Einsatz als Tonleitungsverbindung (mono/ stereo) im HiFi-Bereich. Im Musikinstrumentenbereich wurde er für die MIDI-Schnittstelle eingeführt. Leider, muss man sagen, da er nicht sicher verriegelbar ist. Die Beschaltung der Pole ist je nach Zweck unterschiedlich.

  • Der Klinkenstecker ist sicher der im Musikerbereich am meisten eingesetzte Stecker. Er eignet sich für Instrumentenkabel aller Art (Gitarre, Bass, Keyboard), wird aber auch oft als Lautsprecherstecker benutzt. Vorsicht bei Verlängerungen mit Kupplungen, die nicht sehr sicher halten und sicheren Kontakt herstellen. Klinkenstecker gibt es in Mono- und Stereoausführung. Die Buchsen können mit einem Schalter versehen sein. Der normale Klinkenstecker hat einen Durchmesser von 6.3 mm. Eine kleinere Ausführung (3,5 mm) ist allen sicher bekannt von den Kopfhörern an Walkmännern.

  • Der XLR-Stecker ist der im Musik-Profibereich am häufigsten anzutreffende Stecker. Er wird besonders für symmetrische Tonleitungen verwendet, die durch die Symmetrierung sehr lang sein können, ohne dass es zu Störeinstreuungen kommt. Aber auch für Lautsprecherleitungen eignet sich diese Steckerart, wobei sich die Schaltungsart grundsätzlich unterscheidet. Verwendet man diesen Stecker sowohl für Ton- als auch für Lautsprecherleitungen, so empfiehlt sich eine deutliche Unterscheidung in der Kabelfarbe, sonst gibts Überraschungen. Der Stecker wird von verschiedenen Firmen mit variierten Systemen der Zugentlastung und der Steckerverschraubung angeboten. Der XLR-Stecker ist äußerst robust, entlastet das Kabel sicher und hat eine automatische Verriegelung. Die Belegung der Pole bei Tonleitungen ist nicht einheitlich. In Amerika und Europa unterscheiden sich die Normen. Wichtig ist, dass die Kabel in einem System eine einheitliche Polung haben, damit es nicht zur Phasenumkehr kommt. Der XLR-Stecker wird der deutlichen Abgrenzung wegen als male (männlich) bezeichnet, die entsprechende Buchse oder Kupplung als female (weiblich). Wer hätte das gedacht, nicht wahr?

  • Der Speakon-Stecker hat sich im Profibereich als sichere Steckverbindung für Lautsprecherkabel durchgesetzt. In gibt es in 2- und 4poliger Ausführung (male und female).

  • Der Multipin ist der Tausendfüßler unter den Steckern. Er kann viele Pole haben. Dadurch kann man zum Beispiel von einer Bühne zu einem Mischpult im Saal mit Hilfe eines einzigen vieladrigen Kabels (Multicore) eine Verbindung schaffen, ohne eine Vielzahl von Steckverbindungen schaffen zu müssen. Auf der Bühne steht dann - am einen Ende des Kabels - eine Stagebox, in die man die (relativ kurzen) Mikrofonleitungen usw. hineinstöpselt. Am anderen Ende zum Mischpult hin ist der Multipin. Einen solchen Multipin an ein entsprechendes Kabel zu löten, dessen Adern alle einzeln abgeschirmt sind, ist schon eine Geduldsprobe, aber nicht besonders schwer, da die Adern alle farblich markiert sind.

  • Der Schukostecker (Schutzkontakt) ist der bei uns verwendete Stecker für Strom führende Leitungen (230V). Geräte aus Japan oder USA haben einen Flachstecker ohne Schutzleiter, können aber bei uns angeschlossen werden, wenn das Gerät auf unser Stromnetz umgestellt ist. Da Fehler in der Stromversorgung im Musikbereich katastrophale Folgen haben können (Mikrofon unter Spannung o.ä.), rate ich noch einmal dringend davon ab, hier irgendetwas selbst zu machen, es sei denn, du bist gelernter Elektriker.

  • Kaltgeräte-Stecker (Euro-Stecker) findet man in der Regel an Verstärkern und Geräten wie Keyboards und Effekten, wenn sie kein festes Kabel haben. Sie haben eine eher flache Bauform und sind dreipolig, aber nicht verriegelbar.

  • Der Netzstecker nach CEE-Norm ist der massivste unter allen Steckern und für Bands nicht unwichtig. Mit ihm wird der sog. Drehstrom (380V), der in vielen Hallen zur Verfügung steht, an die Stromversorgung der Band gekoppelt.

 


 

Kabelarten   top

 

Auch Kabel sind ein nicht unwesentlicher Faktor in einer Band. Fast 90% aller Fehler und Probleme entfallen auf Kabel und Stecker. Man sollte sich daher seine Kabel sehr genau ansehen.

 

Das Kabel für Tonleitungen besteht aus einer dicken, gummiähnlichen Kunststoffummantelung. Diese soll stabil, aber nicht steif sein. Ein gutes Kabel hat in diese Hülle eingearbeitete Textil-, Gewebe-, oder Kevlarfäden, was die Reißfestigkeit enorm erhöht.

 

Innerhalb dieses Mantels finden wir zunächst ein Kreuzgeflecht aus Kupfer als Abschirmung, manchmal gibt es darunter noch zusätzlich eine Alufolie. Unter diesem Schirm findet sich oft noch eine dünne leitende Karbonschicht, die Knistergeräusche verhindert. Nun stoßen wir auf die eigentlichen Tonleitungen im Innern des Kabels. Sie haben wiederum einen Kunststoffmantel. Darin eingebettet viele dünne Einzeldrähte, damit das Kabel insgesamt flexibel bleibt. Diese Einzeldrähte bestehen aus sauerstoffarmem oder -freiem Kupfer. Manchmal sind sie noch versilbert. Bei vieladrigen Kabeln, etwa Multicores, sind diese Innenleiter ebenfalls mit jeweils einer eigenen Abschirmung versehen.

Wer oft Kabel gelötet hat, kennt den Unterschied zwischen Billigware und Qualitätskabeln genau. An dieser Stelle lohnt sich Sparen kaum.

  • Tonkabel, einadrig abgeschirmt, geeignet für alle Mono-Tonleitungen, etwa als Gitarren- oder Mikrofonkabel. Es gibt Spezialmaterial, das hochflexibel und trittfest ist, ein großer Vorteil beim Bühneneinsatz.

  • Tonkabel, zweiadrig abgeschirmt, geeignet für symmetrische Tonleitungen (XLR) oder Stereo-Tonleitungen. Mehradrige Kabel gibt es in allen Größenordnungen, speziell auch für Muftikabel.

  • Kabel, zweiadrig, geeignet für Lautsprecherleitungen. Polung beachten: gleiche Farbe an gleichen Pol des Lautsprecheranschlusses, andernfalls schwingen die Lautsprechermembranen in entgegengesetzter Richtung (gegenphasig), wobei (vereinfacht ausgedrückt) die Töne auf der Strecke bleiben. Grundsätzlich eignet sich jedes zweiadrige Elektrokabel ab 2 x 1,5 mm Adernquerschnitt. Bei der Polung ist die Farbcodierung der Elektrokabel sehr hilfreich. Man kann z.B. für die Verbindung der Bühnenlautsprecher zu den Endstufen zur deutlichen Kennzeichnung orangefarbenes Elektrokabel kaufen. Das gibt es in Baumärkten manchmal sehr preiswert gleich auf einer Kabeltrommel, was ungemein praktisch ist. Kabelgewirr kann gar nicht erst entstehen.

  • Kabel, dreiadrig, wird als Stromkabel für Elektroanschlüsse mit Schutzkontakt (Schuko) genutzt. Codierung: Schwarz (oder Braun) = Phase, Blau = Null-Leiter, Gelb/Grün = Schutzleiter (Masse).

 

  • Steuerkabel, alle Kabel, die kein direktes Audiosignal weiterleiten wie z.B. Midikabel, DMX-Kabel, die Fernbedienung für die Nebelmaschine usw. Sie sind nicht ganz so anspruchsvoll in bezug auf das Kabel. Wichtig ist, daß die einzelnen Adern gut isoliert sind und normalen mechanischen Belastungen widerstehen können.

  • Digitalkabel. In letzter Zeit wird alles Digitalisiert. Das stellt besondere Anforderungen an Kabel. Wir können 3 verschiedene Arten unterscheiden: S/PDIF (einadrig geschirmt), AES/EBU (zweiadrig geschirmt) und Lichtleiterkabel (hier wird durch eine Glasfaser nur Licht übertragen - können nur fertig konfektioniert gekauft werden). Ähnlich den Linekabeln wird für S/PDIF ein gut geschirmtes unsymmetrisches Kabel verwendet, AES/EBU Verbindungen werden mit einem zweiadrigen geschirmten Kabel ermöglicht. Bei Digitalen Kabeln sollte kein analoges Kabel verwendet werden, sonder speziell für die digitale Übertragung entwickelte Leitungen, die entsprechend hoch leitfähiges Material (spezielle Kupferlegierungen) besitzen.

  • Multicorekabel können aus allen möglichen Kabelarten bestehen. Multicorekabel werden als Verlängerung der bestehenden Kabel angesehen und dienen zur Verbindung einer Vielzahl von Kabelverbindungen von der Bühne zum Mischpult und zurück. Das oben gesagte (alle bis auf Lautsprecherkabel) gilt auch hier. Multicores sind besonders extremen mechanischen Belastungen ausgesetzt, und wer schon einmal ein Multicorekabel selbst gelötet hat, wird nie wieder auf ein Multicorekabel treten. Wieviel Leitungen benötigt werden hängt von den Erfordernissen jedes einzelnen ab, natürlich sollte eine angemessene ´Reserve´ für zukünftige Anwendungen etc. eingerechnet werden, sonst muß schnell ein neues her.

 

 

Unterschiedliche Kabel für unterschiedliche Signale

Gruppe Eigenschaften Zu beachten
Mic-Signale Dazu zählen wir den Output von Mikrofonen und elektrifizierten Saiten-Instrumenten. Die Ausgangsspannungen sind recht gering (< 1 Volt), die Signalquellen haben einen eher hohen Ausgangswiderstand und die fliessenden Ströme sind sehr gering. Wegen der niedrigen Spannungen und hohen Widerstände sehr störungsempfindlich, aber unempfindlich gegen Kurzschlüsse.
Line-Signale Dies sind Signale, die bereits vorverstärkt sind, aber noch keinen Lautsprecher betreiben können. Z.B.: Ausgänge von Keyboards und CD/MD/Multi-Tracker, Effekt-Sendeausgänge an Verstärkern und Mischpulten, Mischpult-Ausgänge. Die Spannungen sind ebenfalls noch nicht hoch (< 2 Volt), aber hier haben wir es mit eher niedrigen Ausgangswiderständen zu tun. Dafür fliesst dann auch etwas mehr Strom als bei den Mic-Signalen. Recht robuste Elektrik, aber einen Lautsprecher-Ausgang auf einen Line-Eingang zu legen bedeutet meist Tod für den Empfangenden.
Speaker-Signale Das wären dann die Sachen, die eben genug Leistung für den Betrieb eines Lautsprechers liefern, eben Amp-Ausgänge. Da sind nun die Spannungen deutlich, nämlich bis zu 20 .. 30 Volt, die Ausgangswiderstände können bis unter 1 Ohm gehen. Da fliesst schon ordentlich Saft durch das Kupfer. Transistor-Systeme mögen keinen Kurzschluss, Röhren-Systeme keinen Leerlauf.

 


 

Brumm- und Störgeräusche   top

 

Die Leitungsführung ist in Musikeranlagen immer problematisch. Musiker wollen in erster Linie musizieren. Schalter gedrückt, Gitarrenkabel eingeklinkt und - dann brummt es gewaltig. Es ist auch nicht ganz einfach darzustellen, wie es zu diesem Brummen kommt, das meistens durch so genannte Masseschleifen verursacht wird. Ich möchte eigentlich auch kein Handbuch für Elektroniker schreiben. Dennoch ist es für Musiker wichtig, wenigstens annähernd zu wissen, wie es zu einer solch hinderlichen Begleiterscheinung kommt, und was man dagegen tun kann. 

 

Ursachen  

Auf jedes Kabel wirken heutzutage allerlei Störungen von außen ein. Diese können durch die Ätherwellen kommen in Form von hochfrequenten Radiosignalen, aber auch durch das ganz normale Stromnetz des Hauses, etwa wenn man irgendwo Leuchtröhren oder Dimmer betreibt, oder durch den Netztrafo eines Verstärkers. Aus diesem Grund hat unser Tonleitungskabel ja auch eine Abschirmung. Das Problem ist aber bei einem einadrig abgeschirmten Kabel, dass wir nur eine reine Signalleitung (+) haben, während die (-)Phase mit über die Abschirmung geführt wird. Das geht so lange gut, wie die Störungen gering bleiben.

 

Da Tonleitungen immer in verstärkende Eingänge geführt werden, verstärken sich naturgemäß auch vorhandene Störgeräusche. Es ist beispielsweise ungünstig, wenn Tonleitungen direkt neben Netzleitungen liegen. Das elektrische Feld des Netzkabels (230V/50Hz) streut dann in unsere Tonleitung eine 50Hz-Brummspannung ein, die am Verstärkereingang ordentlich verstärkt wird.

 

Eine andere Brummursache ist in der Tatsache zu finden, dass jedes Instrumentenkabel wie ein so genanntes R-C-Glied (R=Widerstand, C=Kapazität) wirkt und in einer bestimmten Kombination zur Antenne wird. Das geschieht besonders dann, wenn Instrumentenausgänge nicht mit Verstärkereingängen hinsichtlich des Eingangswiderstandes (Impedanz) zusammenpassen. Da hat sich schon mancher Musiker gewundert, dass er plötzlich Radio Eriwan in seinem Powerturm hatte.

 

Und schließlich sind in einer Musikeranlage immer eine Vielzahl von Geräten durch Leitungen miteinander verbunden, etwa über ein Mischpult. Bei einadrig abgeschirmten Leitungen werden nun alle vorhandenen Störspannungen über Masse weitergereicht und verstärkt und bilden im Endstadium die allseits "beliebte" Masseschleife.

 

Was tun? 

Ein Hilfsmittel hat sich unter "Bühnenpraktikern" herumgesprochen, dass gefährlich ist. Häufig wird an Geräten oder Netzkabeln der Schutzleiter der Stromversorgung abgeklebt oder abgeklemmt. Das mag vielleicht zum Erfolg führen, ist aber gleichwohl lebensgefährlich. Wer sich ein Netzkabel einmal angeschaut haben, der weiß, dass es  drei Adern hat: Phase = führt die Spannung, Null = ist die Erdung im Kraftwerk, Schutzleiter = ist im Haus geerdet (oft an der Wasserleitung im Keller). Der Schutzleiter hat die Aufgabe zu schützen, also den Strom abfließen zu lassen, wenn in einem Gerät ein Defekt auftritt und die Phase auf das Gehäuse gelangt. Normalerweise sollte dann eine Sicherung durchbrennen. Aber auch wenn sie's nicht tut, schützt die Erdung den Menschen, falls er ein defektes Gerät berührt. Es ist nämlich dieselbe "Erde", auf der er sich bewegt und auf der das Gehäuse steht. Es besteht also keine Potenzialdifferenz, kein Gefälle, dass den Strom verleiten könnte, über den armen Menschen abzufließen. Nun rate mal, was los ist, wenn man irgendwo den Schutzleiter abklemmt! Was man netzseitig allenfalls versuchen kann, wenn's brummt: Netzstecker mal umdrehen, also umpolen.

 

Weiterhin sollte man auf die richtige Anpassung der Geräte achten. Durch Steckübertrager oder Direktboxen (DI-Box) kann man hochohmige Ausgänge auf niederohmig-symmetrische Verhältnisse herunter transformieren und dadurch eventuellen Störbrumm ausschalten.

 

Wie wir schon gesehen haben, entstehen die Brummschleifen über die miteinander verbundenen Schirme der Leitungen. Am besten würde man das Problem gleich im Ansatz beheben, nämlich durch die Kabelwahl. Der ideale Fall wäre es, wenn man sämtliche Kabel elektrisch symmetrieren würde, durch die Bank also z. B. XLR-Stecker verwendet. Dann haben wir zwei massefreie Signalwege, es gibt also keine Masseverbindung im Signalweg zwischen den Geräten. Die Störungen, die die Signalleiter einfangen, werden gleichmäßig auf beide verteilt. Wenn man nun am Eingang des folgenden Gerätes (+) und (-) vertauscht, also einfach die Phase umdreht (gegenphasig), dann löschen sich die Störungen gegenseitig aus und das Signal bleibt brummfrei.

 

Da aber nur Profigeräte tatsächlich auch erdfrei symmetrische Anschlüsse haben, der normale Musiker sich aber in der Regel mit Asymmetrie herumschlagen muss, kann man sich mit quasisymmetrischen Leitungen behelfen. Bei asymmetrischen Kabeln wird der Schirm an einer Stelle unterbrochen, somit ist auch die Schleife unterbrochen, und weg ist das Gebrumm. Bei einem symmetrischen Kabel muss man ein wenig herumprobieren, wie man die (-) Phase am besten mit auf die Abschirmung legt, also prüfen, ob am Ausgang eines Gerätes oder am Eingang des anderen. Die richtige Wahl kann Brummen beseitigen.

 

Wer lange Kabel benötigt, wird um symmetrische Leitungsführung nicht herumkommen. Bei gemischter Kabelbestückung muss man mit Adaptern (Anpassungsstücken) arbeiten (eine Darstellung der unterschiedlichen Adapterversionen und Steckerbeschaltungen kannst du von Projekte herunterladen).

 

1. Erdfrei symmetrische Leitung

Massefreie Signalführung, zwei Leiter (+) und (-), eine getrennt geführte Abschirmung. Kabel in Verbindung mit XLR-Steckern o.ä. geeignet für Mikrofone, Verbindung von Tonstudiogeräten, Mischpultzuführungen.

 

 

2. Asymmetrische Leitung

Nur ein Leiter (+), Signalführung der (-) Phase über Masse. Kabel in Verbindung mit Klinkensteckern geeignet als Gitarrenkabel, Geräteverbindung, Mischpultzuführungen im semiprofessionellen Bereich.

 

 

3. "Symmetrieähnliche" Leitung

Symmetrisches Kabel, wobei der kalte Leiter am einen oder anderen Ende (Versuch) mit der Abschirmung verlötet wird. Kabel in Verbindung mit XLR-Steckern (Brücke) oder Klinkensteckern einsetzbar als Hilfsmittel bei Brummproblemen, falls sowohl symmetrische als auch asymmetrische Kabel gemischt verwendet werden.

 

 

4. Übergangsleitung

Überführung von symmetrischem Ausgang in asymmetrischen Eingang mit asymmetrischem Kabel. Oft nötig bei gemischter Gerätebestückung im semiprofessionellen Bereich.

 

 

5. Übergangsleitung

Überführung von symmetrischem Ausgang in asymmetrischen Eingang mit symmetrischem Kabel. Oft nötig bei gemischter Gerätebestückung.

 

 


 

DI-Box   top

 

Oftmals bereitet der Anschluss von Instrumenten an ein Mischpult dadurch Probleme, dass die Leitungsführung zu lang ist und die Signal-Anpassung nicht stimmt. Störungen des Signals wie Brummen und Rauschen sind die Folge.

 

An dieser Stelle kommt die so genannte DI-Box zum Einsatz.

 

DI-Box von Behringer

 

Der Begriff ist eine Abkürzung für Direct Injection, also die direkte Einführung eines Instruments mit hoher Impedanz wie Gitarre oder Bass in ein Signal verarbeitendes Gerät unter Umgehung eines Verstärkers. Eine DI-Box kann ein kleiner Kasten sein, in den man z.B. das Gitarrenkabel einstöpselt und aus dem ein XLR-Kabel zum Mixer geht. Eine DI-Box kann aber auch im Zusammenhang mit komplexen Schaltungen wie etwa Pegelwandlern und Phantomspeisungen im 19"-Format daher kommen.

 

Um gleich einem Irrtum vorzubeugen: Die DI-Box verhindert Störungen nicht. Störungen, die schon im Signal sind, bleiben erhalten. Störungen, die auf dem Leitungsweg entstehen, werden eliminiert, indem die DI-Box aus einen unsymmetrischen Signal ein symmetrisches macht. Vereinfacht ausgedrückt, macht die Schaltung über einen Trafo in der Box aus einem einadrig abgeschirmten Kabel ein zweiadriges, ein symmetrisches also. Daher findet man als Anschluss für den Ausgang in der Regel auch eine XLR-Buchse, aber eine Stereo-Klinke ist auch möglich.

 

Während das Gitarrenkabel also eine Schwingung an die Box liefert, kommen aus ihr zwei getrennte Schwingungen über das symmetrische Kabel raus. Aus der einen Störung auf der Gitarrenschwingung werden zwei Störungen auf der doppelten Leitung, die zum Mischpult geht. Am Mischpulteingang wird das symmetrierte Signal durch einen Differenzverstärker wieder zusammengeführt, wobei eine der beiden Schwingungen um 180 Grad phasengedreht wird. Für die Störung auf dieser Schwingung bedeutet das, dass sie auch phasengedreht wird. So haben wir eine (+)-Störung und eine (-)-Störung und folgerichtig löschen sich beide aus.

Alle DI-Boxen haben meist zusätzlich einen Ground-Lift. Damit kann man die Masseverbindung auftrennen. Wie das funktioniert, wurde oben unter "Brummstörungen" schon beschreiben. Wenn also Keyboards und Amps eine eigene Masseverbindung besitzen und ins Mischpult geführt werden, so kann es - wie wir oben gesehen haben - zu massivem Gebrumm kommen. Die Zwischenschaltung einer DI-Box mit Ground-Lift behebt diese Problem schnell.

 


 

Löten   top

 

Beim Löten muss zunächst das Werkzeug stimmen. Da wir Musiker keine Dachrinnen verlöten wollen, sondern elektronische Bauteile, brauchen wir allenfalls einen Lötkolben mit einer Leistung von etwa 25-30 Watt. Noch besser ist natürlich eine regelbare Lötstation. Es ist darauf zu achten, dass der Kolben eine feine Dauerspitze hat.

 

Weiterhin benötigen wir Lötzinn. Eigentlich besteht es aus Zinn und Blei in einem Verhältnis von 40:60 oder 50:50. Gutes Lot hat eine Kolophoniumfüllung, die als Flussmittel dient. Weiteres Flussmittel ist also eigentlich nicht nötig, wenn überhaupt, muss es säurefrei sein!

 

Nun geht's ans Löten. Ein Kabel soll an einen Klinkenstecker, ein Bauteil auf eine Platine gelötet werden. Dazu muss man den Lötkolben anheizen. Versuchen, wann das Lot fließt! Dann wird der Kolben gleichzeitig mit dem Lot und dem Draht (oder Bauteil) an die Lötstelle gehalten. Das Lot muss dünnflüssig fließen und Lötstelle und Draht gleichmäßig umschließen. Beim Löten von elektronischen Bauteilen darf man den Lötkolben nicht zu lange an die Lötstelle halten, da sonst die empfindlichen Teile zerstört werden oder sich die Leiterbahnen von der Platine lösen. Beim Erkalten des Lotes darf man nicht mehr wackeln!

 

Zwischendurch immer mal die Lötspitze säubern! Bildet sich dort ein schwärzlicher Belag (Zunder), diesen mit einer kleinen Feile oder feinem Schmirgel entfernen und die Spitze neu verzinnen.

 

Schlechtes Löten führt zu "kalten" Lötstellen. Das kann zu fehlerhafter Signalübermittlung führen bis hin zum völligen Ausfall. Schon an einer kleinen Lötstelle kann die Funktion einer großen Anlage scheitern.

 

Kalte Lötstellen kann man kaum erkennen. Man kann sie durch Messen ermitteln. Wenn allerdings das Lot beim Löten ziemlich breiig verläuft und nach dem Erkalten matt aussieht, ist schon etwas faul.

 

Noch ein überaus wichtiger Tipp: Es ist sehr anzuraten, sich eine Vorrichtung zu schaffen, in die man kleine Bauteile (Stecker) beim Löten einspannen kann, sonst büßen es die Finger heftig. Den heißen Lötkolben auch nie neben sich auf den Tisch legen, sondern in eine Halterung stecken. Man greift sehr schnell daneben!

 

 


 

Aufbau der Anlage   top

 

Der Aufbau der Anlage - sei es im Übungsraum, sei es auf der Bühne – richtet sich nach den Gegebenheiten. Auch Profis improvisieren oft, etwa bei kleinen Klubauftritten, wo es einfach an Platz für größeres Equipment mangelt. Aufwändiges Monitoring ist da nicht möglich.

 

Im Übungsraum werden lediglich die Gesangsboxen mehr in Richtung Musiker gedreht. Aber Vorsicht, die Mikrofone müssen immer außerhalb des Abstrahlwinkels der Boxen stehen, sonst pfeift es. Der Schlagzeuger sitzt ohne Monitoranlage sinnvollerweise vor den Instrumentenverstärkern, sonst bekommt er nicht mit, was gespielt wird, da sein eigenes Instrument für ihn selbst schon sehr laut ist. Der Drummer muss hören, was vorgeht, andernfalls ist es mit dem Timing vorbei.

 

Ein Kleinmischpult (geeignet für den Übungsraum und Klubauftritte) kann noch bequem von einem Musiker oder Sänger mitbedient werden, weil die Anzahl der Kanäle gering ist. Aber es spricht eigentlich überhaupt nichts dagegen, von Anfang an auch Freunde zu beteiligen, die Spaß an der Technik haben, selbst aber nicht musizieren wollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Musiker dann weitgehend bei Aufbau und Anschluss der Anlage entlastet wird. Man kann sich mehr auf das Musikalische konzentrieren. Besonders wichtig ist es, mit dem Kabelsalat pfleglich umzugehen. Kabel sollten immer so verlegt werden, dass die Musiker nicht pausenlos darauf herumtreten. Bei allen elektrischen Anschlüssen und Kabeln besondere Sorgfalt walten lassen! Selbst gebastelte Mehrfachsteckdosen bringen es nicht, sie sind gefährlich. Steckdosenleisten und Verlängerungskabel sind zwar teuer, aber man schafft sie - wenn man sie richtig behandelt - ja nur einmal an.

 

Geht es dann raus aus dem Übungsraum und in größere Säle, so sieht es bei fortgeschrittenen Amateuren oft schon recht profimäßig aus. Dabei ist der Aufwand natürlich beträchtlich. Jedes einzelne Instrument wird über den Saalmischer geführt und von dort auf die PA gegeben. Das garantiert einen ausgewogenen Sound. Wichtig ist in diesem Fall eine gut abgestimmte Monitoranlage, die ebenfalls über den Mixer gesteuert wird (oder einen zweiten, kleineren). Das Schlagzeug wird mit mehreren Mikrofonen abgenommen (Bassdrum, Snare, Toms, Becken). Kabel werden wiederum weiträumig so verlegt, dass sie nicht stören. Elektrokabel möglichst nicht neben Tonleitungen verlegen! Ein Tipp noch für den Drummer: Ein alter Teppich, auf den man das Set aufbaut, garantiert Rutschfestigkeit und schont die Nerven beim Spielen.

 


 

Im Übungsraum   top

 

Einen Übungsraum braucht jede Band. Ein wichtiger Faktor zum Gelingen des Projektes! Es ist schon erstaunlich, wo man überall musizieren kann. In meiner aktiven Musikerzeit habe ich alles kennen gelernt, vom winzigen Heizungskeller über winterliche, ungeheizte Gemeinderäume bis zum Stadttheater mit allem Komfort. Zweimal habe ich für eine längere Bandphase größere Kellerräume hergerichtet, um sie einigermaßen schalldicht zu machen, was immer mit sehr viel Arbeit verbunden war.

 

Ideal für eine Band ist es natürlich, wenn ein Raum ausschließlich der Band zur Verfügung steht. In ihm kann die Anlage auf Dauer für die Übungssessions aufgebaut werden, das lästige Umräumen entfällt. In Jugenheimen oder Gemeindezentren ist dies nicht immer gegeben. Ein fester Raum schont Verstärker, Instrumente und Nerven. Ein solcher Raum kann ein einfacher Kellerraum sein, er muss natürlich ein wenig hergerichtet werden.

Bei glatten Wände aus Mauerwerk oder Kunststoff entstehen beim Üben viele Reflexionen durch die auftreffenden und zurückgeworfenen Schallwellen. Man erkennt das bei einem leeren Raum an dem halligen Eindruck, der entsteht, wenn man in die Hände klatscht (erster Test).

 

Wenn dieser Effekt auftritt, muss man dagegen etwas tun, sonst kann man es in dem Klangbrei, der entsteht, kaum aushalten. Von den früher sehr beliebten Eierkartons sehen wir einmal ab. Sie stauben zu und sind nur mühsam an den Wänden und Decken zu halten. Ein besseres Mittel, den Raum einigermaßen klangtrocken zu bekommen ist es, den Fußboden und die Wände mit Teppichen oder Teppichboden zu bedecken. Die kann man durch eine Sammelaktion beschaffen. Der Erfolg ist verblüffend. Die Schallwellen werden nun nicht mehr reflektiert, sondern von dem weichen Teppichmaterial absorbiert.

 

Wer keine Teppiche hat, kann auch Schaumgummi nehmen. Matten von 1 cm Dicke reichen schon. Steht viel Geld zur Verfügung, ist Spezialschaumstoff ideal, wie er in Tonstudios verwendet wird. Er hat viele kleine, pyramidenförmige Erhebungen, die dafür sorgen, dass regelmäßige Reflektionen - das ist der Halleindruck - nicht möglich sind.

 

Damit haben wir den Raum von Reflexionen befreit, man kann angenehm in ihm üben, ohne dass es lärmend wirkt. Allerdings wird der Raum durch solcherlei Maßnahmen nicht schalldicht. Und gerade das ist in vielen Fällen besonders wichtig, damit die Nachbarn nicht auf die Barrikaden gehen. Aber das ist ein schwieriges Problem. Man wird es ohnehin nicht schaffen, dass man die tiefen Bässe draußen oder im Haus nicht hört. Dazu müsste man einen zweiten Raum schwimmend in den Übungsraum einbauen. Zusätzlich wäre in ca. 1 m Abstand ringsum Wachstuch zu spannen, dann sind die Bässe ziemlich friedlich. Man kann aber durch bauliche Maßnahmen ein wenig zur Schallisolation zumindest der mittleren und hohen Frequenzen beitragen.

 

Dazu muss ringsum mit 10 cm Abstand (Wände und Decke) im Raum ein Holzgerüst aus Kanthölzern installiert werden, wobei die Kanthölzer Boden und Decke nicht direkt berühren dürfen, sondern auf elastischem Material (Gummi) stehen. Türen und Fenster müssen mit Rahmen sorgfältig umbaut werden.

In den Gerüstraum zwischen Holz und Wand wird nun Dämmstoff (gibt's im Baumarkt) gestopft. Dann schraubt man 10 mm starke Spanplatten auf die Kanthölzer. Alternativ wären auch die gut dämmenden Rigips-Platten denkbar, die jedoch den Nachteil haben, dass sie sehr schnell brechen. Einmal zu heftig anlehnen beim Üben und die schöne Wand ist dahin.

 

Es entsteht also eine zweite Wand mit Abstand zur ersten. Die vorbereiteten Tür- und Fensteröffnungen werden entweder ebenfalls mit Zweittür und Zweitfenster oder mit Holzplatten entsprechender Größe versehen, sodass man sie gut öffnen und verschließen kann. Der Boden entsteht aus Trittschall dämpfenden Platten, auf die wiederum Verlegespanplatten gelegt werden. Auf diese Weise entsteht ein "neuer Raum" im alten.

 

Abschließend werden noch schallschluckende Maßnahmen wie oben beschrieben durchgeführt. Dieser Übungsraum ist zwar nicht absolut schalldicht, aber es macht doch eine Menge aus. Und es übt sich sehr entspannt in ihm. Am ehesten dringen noch die tiefen Frequenzen durch, weil die sich über das Mauerwerk übertragen oder durch Abflussrohre o.ä.. Gitarren, Gesang, Keyboards aber werden deutlich abgedämpft. Es hört sich alles so einfach an, aber wer sich für diese Maßnahme entscheidet, muss jede Menge Arbeit ertragen. Es lohnt sich wirklich nur, wenn es der Bandraum für eine längere Zeit oder dauerhaft wird.

 

Und noch ein Tipp: Kaum eine Band übt jeden Abend. Vielleicht könnt ihr euch mit einer befreundeten Gruppe den Übungsraum teilen und auch Anlagen-Sharing ausprobieren, was Kosten und Arbeit halbiert. 

 


 

Sonstiges   top

 

Was eine Band sonst noch so braucht, wird sich immer erst in der Praxis herausstellen, weil einem immer etwas fehlt, gerade dann, wenn man es dringend benötigt. Auf Grund eigener Erfahrungswerte zum Schluss des Kapitels Bandanlage eine kleine, ungeordnete Aufstellung:

  • Stimmgerät; ist eigentlich unbedingt nötig, um ausgedehnte Stimmorgien zu vermeiden; wird auch von Profis benutzt; sollte chromatisch ausgelegt sein; es ist dann möglich, Instrumente nach einem vorhandenen Klavier zu stimmen oder Gitarren auf Bundreinheit zu prüfen.

  • Hallgerät; empfehlenswert, wenn die Band Sänger hat; es gibt heute digitale Stereogeräte zu absolut erschwinglichen Preisen und einer Klangqualität, die man vor wenigen Jahren noch ausschließlich in großen Tonstudios fand.

  • Equaliser/Analyser; Geräte zur wirkungsvollen Änderung des Klanges bzw. zur Untersuchung des Frequenzverlaufs eines Klangbildes; beide Geräte sind nur sinnvoll in der Anschaffung, wenn eine Band oft in wechselnden Räumen oder Hallen auftritt; man kann damit akustische Mängel der Umgebung ein wenig ausgleichen und die PA dem Raum anpassen.

  • Notenständer; sollten beim Üben immer dabei sein, mindestens für die Texte oder grobe Formverläufe der Musikstücke, wenn man nicht nach Noten spielt; selbst bei Auftritten sind Notenständer angesagt, weil es das Sicherheitsgefühl erhöht, wenn man mal aufs Blatt schauen kann. Was großen Orchestern recht ist, sollte einer Band billig sein.

  • Gitarrenständer; wie oft kommt es vor, dass der Gitarrist mal eben seine Gitarre abstellt, die dann mit großem Getöse umfällt; Sicherheit geht vor; ein Gitarrenständer ist billig, ein abgebrochener Gitarrenhals teuer.

  • Ersatzsaiten für Gitarre und Bass; sie reißen nicht unbedingt bei den lautesten Stücken.

  • Ersatztrommelstöcke

  • Ersatztrommelfelle

  • Instrumentenkabel und -stecker aller Art, auch Ersatz

  • Ersatzsicherungen für alle Verstärker; wenn eine Sicherung durchbrennt, nicht gleich eine neue eindrehen, sondern erst mal die Anlage überprüfen, ob etwas faul ist; ist absolut nichts zu entdecken, kann mit einer neuen Sicherung ein Versuch gestartet werden; falls die auch durchbrennt, ist der Verstärker defekt; keine neuen Versuche! Ich habe die Anlage auch immer vor unbefugter Benutzung gesichert, indem ich einfach die Sicherungen aus den Amps gedreht habe. Meist sind dort große amerikanische Sicherungen vertreten, die hat sowieso kein Mensch. Die gibt's aber in den großen Musikfachgeschäften.

  • Tonbandgerät/Kassettenrekorder/DAT/Minidisk; sinnvoll, um ab und zu aufzunehmen, was gespielt und gesungen wird; gemeinsam abhören und Schwachstellen aufspüren!

  • Mappen für jedes Bandmitglied zur Aufbewahrung von Texten, Noten, Notizen, Arrangements; ausreichende Kopienzahl in Reserve haften!

  • Transportkoffer/-kisten/-kästen; falls die Band oft rumreist und woanders auftritt; Ordnung schont Nerven und Anlage.

  • Eine richtige Band braucht schließlich auch noch eine Lichtanlage. Das Thema möchte ich aber hier vollkommen aussparen, einmal, weil es aus Kostengründen für eine Anfängerband kaum in Frage kommt, zum anderen, weil es so umfangreich ist, dass man darüber ein weitere Projekt machen kann.


 

Lautsprecher - Einleitung   top

 

Der Lautsprecher ist auch im Zeitalter der digitalen Höchstleistungen immer noch das schwächste Glied in der elektroakustischen Übertragungskette. Er hat die schwere Aufgabe, sehr schnelle elektrische Impulse in Luftbewegung umzuwandeln. Ein Lautsprecher hat dann einen guten Wirkungsgrad, wenn er das möglichst ohne Verluste schafft. Einen solchen Lautsprecher muss man erst noch erfinden. Heutige Modelle wandeln leider 9/10 der eingegebenen Leistung in Wärme um.

Lautsprecher gibt's wie Sand am Meer. Jeder Hersteller hält eine breite Palette für alle Einsatzzwecke bereit, vom Autolautsprecher bis zum Riesenhorn. Am Ende aber reduziert sich die Vielfalt auf eine Hand voll bestimmter Grundtypen, die immer wieder variiert werden.

Die Grundform des Lautsprechers ist wohl der Konuslautsprecher (Konus = Kegel ohne Spitze), mit der in einen Alu- oder Druckgusskorb eingeklebten Membran und dem dahinter hängenden Magneten. Konuslautsprecher gibt es in allen Durchmessern. Faustregel: Je größer der Durchmesser, desto mehr verschieben sich die Übertragungsfrequenzen des Lautsprechers nach unten, also zu den Tieftönen.

Konuslautsprecher mit geringem Durchmesser sind daher auch für Höhenübertragung geeignet, mittlere Durchmesser weisen auf Mitten oder Breitband hin, große Durchmesser prägen die Basslautsprecher. Das ist auch logisch, weil nach den physikalischen Grundgesetzen die tiefen Töne sehr lange Wellen aufweisen. Der Lautsprecher muss erst mal gewaltige Luftmassen in Bewegung setzen, bevor ein tiefer Ton zustande kommt. Das ist so wie beim Paddelboot: Mit einem Eislöffel kann man kein Wasser verdrängen, mit einem schaufelartigen Ruder geht es vorwärts.

Das Maß für Lautsprecherdurchmesser ist Zoll, abgekürzt wird das mit den Gänsefüßchen (") dargestellt. Gängige Musikerlautsprecher haben folgende Maße:

  • 30 cm Durchmesser = 12"

  • 38 cm Durchmesser = 15"

  • 46 cm Durchmesser = 18"

Es wird immer der Außendurchmesser angegeben, die Einbaumaße unterscheiden sich davon. In den Datenblättern werden diese aber immer genau angegeben, so dass man nicht lange messen muss.

Spezielle Konuslautsprecher haben in der Mitte noch einen zweiten Konus eingeklebt, der die dort auftretenden Mitten und Höhen besonders verstärkt. Sie sind sehr geeignet für zusammengeschaltete Systeme mit vielen solcher Lautsprecher, aber auch für Monitorboxen. Vorteil: die Frequenzweiche entfällt, man hat trotzdem ein relativ breites Frequenzband.

Andere Konuslautsprecher haben eine Alukalotte (das ist eine silberne Halbkugel in der Mitte), auch zu dem Zweck der verstärkten Mittenabstrahlung. Diese Lautsprecher werden gerne für Gitarrenboxen verwendet.

Einen anderen Typus des Lautsprechers haben wir im Kalottenlautsprecher, der keinen Konus hat, sondern nur die Kalotte, die fest eingespannt ist. Kalottenlautsprecher strahlen obere Mitten und Höhen ab. Aus HiFi-Boxen kennt man sie schon lange, es gibt sie auch für Musiker. Durch die sich vorwölbende Kalotte haben sie einen großen Abstrahlwinkel (180 Grad).

Schließlich sind da noch die Hörner, die aus zwei Teilen bestehen: dem eigentlichen Horn und dem so genannten Treiber. Der Treiber arbeitet nach dem Druckkammerprinzip. Eine dünne Metallfolie "schwimmt" auf einem Luftdruckpolster und wird von dem Magneten mehr oder weniger angezogen.

Die Hörner müssen sehr genau gearbeitet sein, die erzeugte Druckwelle soll ja nahtlos an die Luft weitergegeben werden. Die Krümmungen der Trichterwände berechnen sich daher nach komplizierten exponenziellen Funktionen.

Hörner gibt es für Hoch- und Mitteltoneinsatz in vielen Größen. An manchen können sogar mehrere Treiber gleichzeitig angeflanscht werden. Hörner strahlen den Schall sehr gerichtet ab, sodass er sich erst auf bestimmte Entfernung entfalten kann. Das kann Vor- und Nachteile haben, je nach räumlichen Gegebenheiten. Hörner verfälschen den Klang auch irgendwie, weil da immer eine Art Megaphoneffekt mitwirkt. In sehr großen Bühnenanlagen haben sie sicher ihre Berechtigung und Wirkung. Viele Musiker verzichten aber in ihren PA-Anlagen auf Hörner.

Eine neue Sorte Hörner wurde Mitte der 70er Jahre entwickelt. Es sind die piezokeramischen Hörner, kurz Piezos, die sehr klein sind, aber bedenkenlos und in Massen in Reihe oder parallel geschaltet werden können - wohlgemerkt ohne Frequenzweiche! Sie haben auch kaum Grenzen in der Belastbarkeit. Bei ihnen verformt sich die keramische Membran bei Anlegung einer Wechselspannung (Musiksignal) und erzeugt akustische Schwingungen, die ab 2000 Hz weit nach oben bis 25 KHz reichen.

Die Piezos werden aber mittlerweile kaum mehr eingesetzt. Wohl, weil man erkannt hat, dass sie den Sound nicht verbessern, sondern ihn eher schrill machen. Bei Rückkopplungen können sie sich im Ultraschallbereich selbst zerstören.

Der beste Klang, den ich jemals aus einer PA gehört habe, kam aus unzähligen Kleinstlautsprechern bei einem Konzert von Klaus Doldinger Anfang der 80er-Jahre. Er hatte nämlich links und rechts auf seiner Bühne unglaubliche Mengen jener legendären Bose-801-Boxen gestackt, die jeweils 8 recht kleine Lautsprecher (5,5" Fullrange) enthalten. Bose hat diese Boxen weiter entwickelt als Bose 802.


 

Möglichkeiten   top

Wenn man eine Box selbst bauen will, geht´s zuallererst ans Lautsprecherkaufen. Aber auch der geplante Kauf einer fertigen Box sollte Anlass sein, sich mit ihrem Innenleben vertraut zu machen, damit man verschiedene Lautsprecher oder Boxen auch miteinander vergleichen kann. Ich gehe mal grundsätzlich davon aus, dass man so furchtbar viel nicht falsch machen kann, wenn man sich an bewährte Markenhersteller hält - etwa Celestion, Fane, Electrovoice oder JBL - weil deren Speaker weltweit auch von Boxenherstellern verwendet werden. Allerdings haben sie auch ihren Preis. Trotzdem sind beim Kauf einige Punkte zu prüfen, wenn man sich vorher darüber klar ist, für welchen Einsatzzweck der Lautsprecher/die Box gedacht ist. Ein Gitarrenlautsprecher hat andere Aufgaben als einer für Bass, auch für den PA-Gebrauch gibt´s besondere Typen.


 

Belastbarkeit   top

Hier kann man in der Regel gut vergleichen. Grundsätzlich aber bitte nur die tatsächliche Belastbarkeit. Der Wert dafür wird mit der Bezeichnung RMS angegeben (siehe Technik/Verstärker), eine Beschreibung für ein Messverfahren, durch das über den gesamten Frequenzbereich angegeben werden kann, welche Leistung man einem Lautsprecher über einen längeren Zeitraum zuführen kann, ohne dass er das Handtuch wirft. Die kurzzeitige Spitzenbelastbarkeit eines solchen Lautsprechers ist natürlich erheblich höher.

Je höher der RMS-Wert, desto belastbarer ist der Lautsprecher. Die Angabe erfolgt in Watt, z.B. 100 W RMS. Die Nennbelastbarkeit eines Lautsprechers/einer Box muss immer höher sein als die RMS-Ausgangsleistung des Verstärkers, bezogen auf den Abschlusswiderstand (Impedanz) des Lautsprechers/der Box. Und: Nicht eine(n) 4-Ohm-Lautsprecher/Box kaufen, wenn der Verstärker einen 8-Ohm-Ausgang hat. Die Belastbarkeit von Mittel- und Hochtonlautsprechern in einem Mehrwegsystem muss nicht so groß sein wie die des Basslautsprechers, da der Leistungsanteil zu den oberen Frequenzen hin abnimmt. Voraussetzung ist natürlich, dass man alle Lautsprecher des Systems über eine entsprechende Frequenzweiche schaltet.

 


 

Übertragungsbereich   top

 

Was leistet ein Lautsprecher klanglich? Dabei muss man den Frequenzgang beobachten. Die Herstellerangaben können nur den Rahmen bieten, weil der Frequenzgang auch von der Art des Lautsprechergehäuses abhängt. Allerdings ist jedem wohl klar: ein Gitarrenlautsprecher soll hauptsächlich Mitten übertragen, also muss er diesen Bereich liefern. Ein Basslautsprecher für den PA-Tiefbassbereich muss weit runter gehen. Die Angaben erfolgen in Hertz (Hz). Beispiel: Gitarre 75-7000Hz, Bass 35-3000Hz.


 

Können   top

 

Wenn über Lautsprecher geredet wird, dann ist für die meisten Menschen wichtig, wie laut er ist. Mehr oder weniger Lautstärke wird wahrgenommen als eine Änderung des Schalldrucks, also des Luftdrucks, der durch die Lautsprechermembrane erzeugt wird. Gemessen wird der Schalldruck in Pascal (Pa; Kraft pro Flächeneinheit). Dabei muss man anmerken, dass der von Menschen hörbare Schalldruckunterschied eher bescheiden ist. Während der Luftdruck bei 100 000 Pascal liegt, kann der Mensch nur zwischen 20 µPa (Hörgrenze) und 100 Pa (Schmerzgrenze) unterscheiden. Das Ohr registriert Schalldruckreize eher als logarithmische Werte. Die akustischen Pegel werden in Dezibel (dB, siehe unten) gemessen. Die Hörschwelle liegt bei O dB, die Schmerzgrenze (etwa ein Düsentriebwerk) bei 130 dB. Auf sehr niedrige Frequenzen und sehr hohe Frequenzen reagiert das menschliche Ohr recht unempfindlich.

Nun ist es Aufgabe des Lausprechers, Schallereignisse dem menschlichen Ohr möglichst naturgetreu nahe zu bringen. Das kann er aber am wenigsten, weil er eben das schwächste Glied in der elektro-akustischen Übertragungskette ist. Was also kann ein Lautsprecher wirklich? Das ist nun die Frage nach dem Wirkungsgrad. Der Wirkungsgrad eines Lautsprechers zeigt an, wie er die ihm zugeführte Energie umsetzt und wird als Schalldruck (dB) angegeben. Der Name sagt schon alles: Was drückt er denn so an Luft vor sich her? Herstellerangaben sind hier nicht unbedingt einheitlich, weil jeder bei den Messverfahren sein eigenes Süppchen kocht, um zu günstigen Werten zu kommen. Man misst normalerweise in einem schalltoten Raum mit einem Messmikrofon rosa Rauschen mit einem Watt Leistung im Abstand von 1 m. Aber auch hier kann man davon ausgehen, dass Markenfabrikate vergleichbar sind. Ein hoher dB-Wert zeigt also hohen Schalldruck bzw. hohen Wirkungsgrad an.

Wenn man einmal zwei Lautsprecher vergleicht, von denen einer 3 dB weniger Schalldruck (bei 1W/l m gemessen) aufweist, dann bedeutet das praktisch, dass der schwächere Lautsprecher die doppelte Verstärkerleistung benötigt, um genauso laut zu sein wie der mit der höheren Schalldruckangabe. Will ich beim schwächeren Lautsprecher 3 dB mehr Schalldruck haben, so muss ich die Verstärkerleistung verdoppeln. Ein Lautsprecher mit hohem Schalldruck zeigt seinen Wirkungsgrad dadurch, dass er bei gleicher Verstärkerleistung deutlich lauter ist als ein Lautsprecher mit niedrigerem Schalldruck.


 

Verhalten   top

 

In seinem Verhalten soll der Lautsprecher brav sein und seine Sache gut machen. Das, was er an Signalen bekommt, soll er schnell und genau weitergeben. Gemeint ist das Impulsverhalten. Je genauer der Lautsprecher die Impulse überträgt, desto besser klingt er. Hier kann man keine Werte angeben, allenfalls mit Messgeräten könnte man dem Impulsverhaften des zu kaufenden Lautsprechers auf die Spur kommen. Wer aber geht schon mit dem Oszillographen einkaufen?

Da hilft nur die gute alte Regel: Anhören, anhören, anhören, und zwar immer im Vergleich. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang darauf, dass sich HiFi-Lautsprecher natürlich nicht für Bandzwecke eignen, da sie - konstruktionsbedingt durch weiche Aufhängung und lange Schwingspule - einen schlechten Wirkungsgrad und ein anderes Impulsverhalten haben, dafür aber einen ausgeglichenen Frequenzgang. Musikerlautsprecher sind dagegen hart aufgehängt, haben eine speziell gewickelte kurze Schwingspule und können große Impulse und damit Membran-Auslenkungen aushalten.


 

Funktionsweise   top

 

Wer im Physikunterricht gut aufgepasst hat, sollte dort etwas über Magnetfelder in Strom führenden Spulen gehört haben. Darauf beruht die Wirkungsweise eines Lautsprechers.

Die Lautsprechermembran ist ein besonders sorgfältig gearbeitetes, konusförmiges Gebilde, das sich wie steife Pappe anfühlt. Diese Membran ist am Lautsprecherkorb mit einer mehr oder weniger harten aber elastischen Masse verklebt. Man spricht von einer harten oder weichen Aufhängung. Musikerlautsprecher sind fast immer sehr hart aufgehängt.

Dennoch kann man die Membran bewegen, wenn man sie einmal vorsichtig in den Korb drückt. Aber sie bleibt immer an ihrem Ort, weil sie durch eine Zentrierung fest gehalten wird. Am unteren Ende der Membran taucht ein Rohr, die Schwingspule, in einen ringförmigen Spalt, den Schwingspulenspalt, ein. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass ein sehr feiner Kupferdraht um die Schwingspule gewickelt ist. Die Enden des Drahtes münden in den Signalanschlüssen des Lautsprechers.

Der Schwingspulenspalt verschwindet in einem dicken Metallklotz, das ist ein starker Dauermagnet. Schraubenzieher dran halten, dann merkt man es! Der Magnet hat ein dauerndes (konstantes) Magnetfeld.

Was passiert nun, damit Schall entsteht? Nehmen wir an, du spielst Gitarre. Der Ausgang deines Gitarrenverstärkers liefert einen Wechselstrom, dessen Stärke sich ändert, weil du mal leise, mal laut spielst. Der Wechselstrom kommt am Lautsprecher an und wird auf die Schwingspule geführt, wo er ein elektromagnetisches Feld aufbaut. Die Stärke des Feldes ändert sich ständig, weil sich auch die Stromstärke ändert. Durch den Wechselstrom ändert sich im Feld der Schwingspule auch dauernd die Richtung (Polung). So kommt es, dass die bewegliche Schwingspule von dem Festmagneten angezogen und abgestoßen wird. Du kennst diesen Effekt der sich abstoßenden oder anziehenden Magneten, je nach Polung. Die Bewegung der Schwingspule erfolgt im Rhythmus deines Gitarrenspiels und wird auf die Lautsprechermembran übertragen. Lautes Spiel = starker Strom = großer Bewegungshub, leises Spiel = schwacher Strom = kleiner Bewegungshub der Membran. Die Membran nun bringt die umgebende Luft - mehr oder weniger - in Wallung, wodurch dein Ohr deinen Gitarrensound - laut oder leise - einfangen kann. Elektrische Energie wird in magnetische Energie umgewandelt, die wiederum in Bewegungsenergie, woraus sich am Ende der Schall durch Bewegung der Luftteilchen ergibt.


 

Dezibel   top

 

Wiederholt wurde schon der Begriff dB (Dezibel) genannt. Ihn für Laien einigermaßen verständlich zu erklären, ist schon schwierig, weil selbst Fachleute manchmal nicht durchblicken. Für die Bandarbeit ist es eigentlich auch unerheblich, sich damit auszukennen. Trotzdem möchte ich eine kurze Begriffsbestimmung der Vollständigkeit halber versuchen.

Der Ausdruck Dezibel stammt von der Maßeinheit Bel, die wiederum nach dem englischen Physiker G. Bell (Telefon!) benannt wurde. Ein Dezibel, kurz dB, ist also ein Zehntel Bel. Das ist ein Maß, das im elektroakustischen Bereich benutzt wird, um die Verstärkung und Dämpfung von elektrischen Spannungen, Strömen und Leistungen anzugeben. Dieses Maß stellt sich dar in dekadisch logarithmischen Werten, die dem logarithmischen Lautstärkeempfinden des menschlichen Ohres etwa entsprechen.

Um elektrische Spannungen geht es zum Beispiel bei Pegelangaben. Solche Pegel sieht man bei jedem Kassettendeck optisch angezeigt, wenn die Zeiger oder Leuchtdioden im Rhythmus der Musik wackeln. Die Anzeigeinstrumente zeigen einem ja eigentlich nur die Höhe einer gemessenen Spannung an. Die Größenordnung der Pegelangabe erfolgt in dB. Das hat gute Gründe.

Wenn man sich vorstellt, dass solche Pegel Spannungen umfassen, die vom Millivoltbereich bis zu einem Volt gehen können, dann wird klar, dass ein solcher Bereich grafisch nur in einer meterlangen Darstellung erfolgen kann. Deshalb ist der dB-Wert als logarithmischer Wert gut geeignet, weil er den großen Bereich optisch verkürzt, wobei die Berechnung übersichtlich bleibt. Und so können wir eben auf Zeigerinstrumenten oder Leuchtbändern dB-Werte ablesen. Die entsprechenden Formeln zur Berechnung erspare ich uns hier.

Praktisch bedeutet dies: Wird die Spannung verdoppelt, bedeutet das immer eine Erhöhung um 6 dB. 20 dB entsprechen zehnfacher Zunahme.

Umgekehrt bedeuten -20 dB, dass der Pegel auf ein Zehntel des Ausgangswertes gesenkt wurde. Die Angaben gelten also auch immer für die Dämpfung der Signale.

Allerdings gibt es bei dieser Geschichte eine Falle. Die Elektroniker machen es sich gern etwas komplizierter, indem sie diese Regel zwar anwenden, für unterschiedliche Anwendungen aber verschiedene Bezugspegel, also Nullpunkte der Skala, verwenden.

Ein Bezugspegel bezieht sich auf eine Spannung von 1 Volt:

1 V = 0 dB

Der gerade genannte Bezugspegel 1V = 0dB wird zur Abgrenzung mit einem Zusatz versehen:   

0 dBV

Ein weiterer - heute gebräuchlicher - Bezugspegel für den Nullpunkt, der sich besonders in der Tonstudiotechnik durchgesetzt hat, bezieht sich auf eine Spannung von 0,775 Volt, die sich aus einer elektrischen Leistung von 1 mW (Milliwatt) gemessen an einem Widerstand von 600 Ohm errechnet:

0,775 V = 0 dB

Auf diesen Nullpunkt sind nun alle anderen Spannungen bezogen, unabhängig vom Widerstand. Auch für ihn gilt bei Verdoppelung der Spannung eine Zunahme um jeweils 6dB. Zur Unterscheidung wird der Buchstabe U (früher m) angehängt:

0,775 V = 0 dBU

1,55 V = +6 dBU

+6dB ist der so genannte Studionormpegel für elektrische Signale. Danach werden z.B. Bandmaschinen eingemessen, weil professionelle Mischpulte diesen Pegel bei Vollaussteuerung abgeben. Man muss also aufpassen, dass man die Nullpunkte nicht verwechselt, weil sich daraus andere dB-Werte ergeben. Noch mal:

a) 1 V = 0 dBV

b) 0,775 V = 0 dBU

In der noch jungen digitalen Welt gibt es ebenfalls eine eigene Pegelnorm:

dBfs

"fs" bedeutet "full scale" und umfasst den 16-Bit-Zahlenwert von -32768 bis +32768.

Auch im Zusammenhang mit Lautsprechern und Boxenbau werden dB-Angaben wichtig. Die Werte für akustische Schalldrücke oder Leistungen ergeben sich aus dem Nennschalldruckpegel eines Lautsprechers. Der Nullpunkt (der dritte!) ist hier die Hörschwelle. 0dB ist der Schalldruck, bei dem man gerade den Lautsprecher zu hören beginnt. Den Nennschalldruckpegel misst man, in dem dem Lautsprecher eine elektrische Leistung von 1W bei 1m Abstand vom Messmikrofon unter dem Rauschen eines durchschnittlichen Frequenzbandes zuführt. Misst man nun bei einer derartigen Anordnung, dass der Lautsprecher einen Nennschalldruck von 91dB hat und stellt fest, dass er mit 120 W belastet werden kann, so kann man den maximalen Schalldruck, den der Lautsprecher liefern kann, ablesen:

1W =   91 dB 16W = 103 dB
2W =   94 dB 32W = 106 dB
4W =   97 dB 64W = 109 dB
8W = 100 dB 128W = 112 dB

Der Lautsprecher wird also ungefähr einen größtmöglichen Schalldruck von 111dB liefern. Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass sich jeweils bei Verdoppelung der elektrischen Leistung der Schalldruckpegel um 3dB erhöht. Es ist sicher auch leicht verständlich, dass der Wirkungsgrad eines Lautsprechers umso besser wird, je weniger Leistung bei höchstmöglichem Schalldruck man ihm zuführen muss. Ein Lautsprecher, der in der Versuchsanordnung bei Zuführung von 1W einen Nennschalldruckpegel von 97dB aufweist, wäre viermal lauter als der Lautsprecher in der Tabelle oben. Wollte man beim Tabellenlautsprecher das gleiche Ergebnis erzielen, müsste man ihm die vierfache Leistung zuführen.

 

Wenn du nichts davon verstanden hast, geht es dir wie mir: Ich musste mir das auch erst mühsam anlesen. Man kann aber auch ohne dieses Spezialwissen guten Gewissens abrocken.


 

Frequenzgang   top

 

In Datenblättern von Geräten und Lautsprechern liest man oft den Begriff Frequenzgang. Damit soll angegeben werden, wie die Übertragungsqualität eines Tonsignals durch das Gerät ist. Gerade beim Boxenselbstbau ist diese Angabe für Musiker wichtig, denn sie weist auf die Eignung eines Lautsprechers für spezielle Aufgaben hin. Welche Frequenzen (Schwingungen) kann er übertragen? Ist er für Bass, Gitarre oder Gesang geeignet? Dabei interessiert uns der Bereich zwischen 20 und 20 000 Hz. Tiefere Frequenzen sind kaum realisierbar, höhere für Menschen unhörbar (wenn er denn überhaupt 20 000 Hz hört, was unwahrscheinlich ist).

Der ideale Frequenzgang eines Lautsprechers wäre die Obertragung aller Frequenzen, was technisch - wie schon aufgezeigt - unmöglich ist. So kann uns nur die Frage interessieren, ob der Lautsprecher mindestens in einem oder in mehreren Bereichen die Frequenzen ohne nennenswerte Abweichungen überträgt. Man nennt dies eine lineare Übertragung. Das kann man messen, indem man die Differenz des Ausgangspegels vom Eingangspegel bei ausgewählten Frequenzen im Frequenzband feststellt. Die ermittelten Werte trägt man in eine Tabelle ein, verbindet alle Punkte miteinander und erhält eine Kurve, den Frequenzgang. Das Beispiel zeigt deutlich, dass der Lautsprecher bis etwa 3 Kilohertz leichte Anhebungen im Frequenzband hat und dann schnell abfällt. Der Frequenzverlauf deutet darauf hin, dass es sich vermutlich um einen Gitarrenlautsprecher handelt.

Die Frequenzen, die man misst, sind genormt; sie haben den Abstand einer musikalischen Terz. Die Pegel werden, wie immer, in dB angegeben. Das hat den Vorteil, dass das gezeichnete Kurvendiagramm durch die Logarithmierung des dB-Wertes überschaubar bleibt. In einem solchen Frequenzgang bedeutet also, dass bei 0 dB keine Abweichung zu verzeichnen ist, das Tonsignal wird linear übertragen.

Negative dB-Werte bedeuten eine Dämpfung der Frequenzübertragung, positive eine Anhebung. Man kann in einem Frequenzdiagramm sehr gut erkennen, welchen Einsatzpunkt ein Lautsprecher hat oder bei welchen Frequenzen er das Handtuch wirft. Bei anderen Geräten können sich deutlich eventuelle Nichtlinearitäten zeigen, man erkennt, wo der Frequenzgang verbogen ist.

 

Bei Lautsprechern ist die Übertragungsbreite konstruktionsbedingt. Bei einem Mischpult z.B. sollte man einen fast linearen Frequenzgang erwarten, sonst ist es unbrauchbar. Bei Mikrofonen wird oft der Tiefenbereich künstlich angehoben, damit es mehr Power abgibt. Findet man in einem Prospekt eine Angabe wie 40-20 000 Hz +/- 3 dB, dann ist es möglich, dass um +3dB die Bässe angehoben und um -3dB die Höhen bedämpft wurden. 3 dB sind aber, wenn man mal nachrechnet, schon eine Menge Holz. Insofern relativiert sich die Angabe des tollen Übertragungsbereiches doch sehr. Ein Hersteller, der nichts zu verbergen hat, fügt seinen Geräteunterlagen den Frequenzgang bei, wobei jeder natürlich die für ihn günstigste Messmethode wählt.


 

Verschaltung   top

Es gibt drei Möglichkeiten, Lautsprecher miteinander zu verschalten: Parallelschaltung, Reihenschaltung oder die Kombination von beiden. Werden die Lautsprecher über eine Frequenzweiche geführt, so gelten die Gesetzmäßigkeiten der Weiche. In Gitarrenboxen oder Kofferverstärkern werden in der Regel  nur gleichartige Lautsprecher ohne Frequenzweiche miteinander verbunden. Wichtig ist, das die Verdrahtung so erfolgt, dass an der Eingangsbuchse der Box ein Widerstand anliegt, der zu dem Ausgangswiderstand des anzuschließenden Verstärkers passt. Ist der Boxenwiderstand höher, schadet es nichts, bedeutet aber Leistungseinbußen. Ist der Boxenwiderstand geringer, kann das den Verstärker killen (moderne Verstärker sollten allerdings Schutzschaltungen haben). Daher niemals mal eben Boxen miteinander koppeln, ohne dass man deren Gesamtwiderstand kennt!

      

Parallelschaltung

Reihenschaltung

        

Kombination

  

Schaltungsbeispiele unter Berücksichtigung des Lautsprecherwiderstandes (Ohm)

       

Schaltungstabelle

Boxentyp Lautsprecher Schaltung Gesamtwiderstand
4 x 12" je 4 Ohm 2 x 2 LS in Reihe, 2 Paare parallel 4 Ohm
4 x 12" je 4 Ohm 2 x 2 LS in Reihe, 2 Paare in Reihe 16 Ohm
4 x 12" je 8 Ohm 2 x 2 LS in Reihe, 2 Paare parallel 8 Ohm (normale Kombination)
4 x 12" je 8 Ohm 2 x 2 LS in Reihe, 2 Paare in Reihe 32 Ohm
4 x 12" je 16 Ohm 2 x 2 LS in Reihe, 2 Paare parallel 16 Ohm
4 x 12" je 16 Ohm 2 x 2 LS parallel, 2 Paare parallel 4 Ohm
2 x 12" je 4 Ohm in Reihe 8 Ohm
2 x 12" je 4 Ohm parallel 2 Ohm
2 x 12" je 8 Ohm in Reihe 16 Ohm
2 x 12" je 8 Ohm parallel 4 Ohm
2 x 12" je 16 Ohm in Reihe 32 Ohm
2 x 12" je 16 Ohm parallel 8 Ohm

      

Die Angaben der Tabelle sind natürlich unabhängig von der Lautsprechergröße. Auch andere Lautsprechertypen (10", 15") habe solche Widerstandswerte.

Der 8-Ohm-Widerstand ist der gebräuchlichste Lautsprecherwert. Der übliche Gesamtwiderstand von Boxen beträgt auch 8 Ohm. In der Regel haben Markenboxen Typenschilder, auf denen die Werte vermerkt sind. Die Anschlussplatten der Boxen enthalten meist schon eine zweiten Buchse zur Koppelung einer weiteren Box. Diese zweite Buchse ist parallel geschaltet. Das bedeutet, dass beim Stacking von zwei 8-Ohm-Boxen ein Gesamtwiderstand von 4 Ohm entsteht. Der zugehörige Verstärker sollte diesen Widerstand auch verarbeiten können.

 


 

Boxentypen   top

 

Beim Aufbau einer Bandanlage muss man sich klar machen, dass nicht alles, was dröhnt und schallt, auch unbedingt geeignet ist. Hier also ein notwendiger Einblick in die Typologie und Funktionsweise von Orchesterboxen. Wie ich schon angedeutet habe, sind Lautsprecher eigentlich ziemlich schwächliche Wesen, was ihre Übertragungsfähigkeiten angeht. Sie sind immer auf ein mehr oder weniger aufwändiges Gehäuse angewiesen. Ein solches Gehäuse hat schlicht die Aufgabe, den Lautsprecher mehr scheinen zu lassen als er eigentlich ist. Eine Box ist also eine Fortsetzung des Lautsprechers mit anderen Mitteln. Die optimale Anpassung der Lautsprechereigenschaften an die umgebende Luft ist das Ziel. Es gibt sehr unterschiedliche Wege dorthin.

Zu den elementaren Boxen einer Band gehört sicher die Gitarrenbox. Sie ist üblicherweise mit 4x12" Lautsprechern bestückt, 2x12" ist auch möglich. Das Gehäuse ist vollkommen geschlossen und leicht bedämpft, man hört also nur den Schallanteil, den die Lautsprecher nach vorn abgeben. Diese Art Box ist schon ziemlich groß (ca. 75x75 x35cm), steht auf Rollen und hat stabile Transportgriffe. Sie ist stapelbar, wobei es für obenauf eine leicht abgeschrägte Version gibt. Eine solche Gitarrenbox kann man gut selbst bauen.

 

Lautsprecherboxen können zu Hörnern werden, wenn man sie so baut, dass dem eingebauten Lautsprecher ein "Trichter" vor- oder (zusammengefaltet) hintergesetzt wird. Diese Hornkonstruktion erfolgt nach Exponenzialfunktionen. Die Berechnung ist eher etwas für Mathe-Freaks. Exponenzialhörner erhöhen die Lautstärke ungemein. Wollte man dies mit einer normalen Box erreichen, so müsste sie entweder sehr groß werden, oder man müsste sehr viele von einer Sorte nehmen. Das exponenzial gekrümmte Horn vor einem Lautsprecher erhöht den Schalldruck der Mitten und Höhen, während das gefaltete Horn dahinter den Schalldruck der Bässe vergrößert. Es wird gewissermaßen eine sehr viel größere Box vorgetäuscht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Voice Of The Theatre

Bereits 1930 wurden die ersten Exponenzialboxen gebaut, weil mit der Erfindung des Tonfilmes plötzlich viel Klang benötigt wurde, man aber noch nicht in der Lage war, starke Verstärker zu konstruieren. Wenn man bedenkt, dass eine gute Exponenzialbox den Schalldruck eines Lautsprechers bis zu 9db erhöhen kann, so bedeutete dies damals, dass eine achtfache Leistung erreicht wurde bei Verstärkern, die maximal 20 Watt brachten. Eine der bekanntesten Exponenzialboxen aus jenen Tagen ist die legendäre Voice Of The Theatre von Altec Lansing. Ich habe selbst in meiner Bandzeit diesen Typ nachgebaut und als PA verwendet. Zusammen mit einem entsprechenden Horn entfaltet eine solche Box einen erstaunlichen Wirkungsgrad. Das exponenzielle Prinzip hat man aber inzwischen gewaltig weiterentwickelt. Die Anlagen sind insgesamt transportabler geworden, man spart bei hohem Wirkungsgrad Lautsprecher, hat einen geringen Verzerrungsgrad und eine gute Richtwirkung in den Bässen.

Zu unterscheiden sind drei Typen von Exponenzialboxen (Bin = Box):

  • Front Loaded Bins: Vor dem Lautsprecher sitzt der exponenzial geformte Trichter. Ohne Horn für verstärkte Mittenübertragung.

  • Folded Horn Bins: Der Lautsprecher strahlt nach innen, das Horn entfaltet sich stufenweise nach außen. Geeignet für dicke Bässe.

  • Rear Loaded Bins: Der Lautsprecher strahlt nach vorne, die nach hinten abgestrahlten tiefen Frequenzen werden über ein gefaltetes Horn nach vorn geführt. Für Bass- und Mittenübertragung.

Ein markantes Beispiel für ein Rear Loaded Bin ist die berühmte "Rutsche", die mit einem oder zwei 15"-Lautsprechern bestückt werden kann. Rutschen haben gegenüber den Front Loaded Bins einen geringeren Wirkungsgrad und reichen nicht sehr weit. Allerdings geben sie doch einen satten Bassklang her, so dass sie in kleinen Räumen als Discobox einsetzbar sind. Auch als reine Bassbox sind sie durchaus geeignet, wobei bei Großbeschallung allerdings mit einem Mikrofon abgenommen werden muss, was wiederum zur Soundverwässerung in der PA beiträgt. Der Nachbau ist nicht ganz leicht, aber - wie ich aus eigener Erfahrung weiß - machbar, wenn man nicht zwei linke Hände hat.

Bei allen drei Typen gibt es jede Menge Varianten, man möchte sagen, so viele wie Hersteller. Allen ist aber gemeinsam, dass die Höhe der Schalldruckverbesserung und die untere Grenzfrequenz durch die Länge des Horns und die Größe der Austrittsöffnung festgelegt werden. Alle Exponenzialhörner sind im Bau sehr kompliziert, da man die Krümmungen und Winkel sehr genau einhalten muss. Der Nachbau ist also nur mit Bauplan und für Leute mit entsprechendem Werkzeug und schreinermäßigen Kenntnissen zu empfehlen.

Eine andere Boxenart hat einen großen Lautsprecher und eine Öffnung mit Rohr, die Bass-Reflexbox. Die Öffnung ist in besonderer Weise auf den Lautsprecher und die Gehäusemaße abgestimmt. Die Länge des Reflexrohres muss genau durch Rechnung oder durch Messung ermittelt werden. Dann hat die Box eine optimal verstärkte Bassabstrahlung. Eine Bedämpfung erfolgt auf zwei Seiten. Diesen Boxentyp gibt es in allen Größenordnungen. Er eignet sich, mit Anleitung und etwas Geschick, zum Selbstbau.

Die Mehrwegbox ist ein breitbändiges Beschallungssystem mit zwei oder drei Lautsprecherwegen und Reflexrohr. Die Lautsprecher müssen dabei über eine Frequenzweiche geführt werden. Der Mitteltöner ist abgedeckt, damit seine Membran nicht von den Basswellen beeinflusst wird. Diese Box ist als Gesangs- oder PA-Box geeignet, weil sie alle Frequenzen gut überträgt, durch das Reflexrohr auch in den Bässen Einiges zu bieten hat und durch das Hochtonhorn weit reicht. Solche Boxen gibt es heute in sehr kompakter Form mit hoher Leistung. Viele Musiker ziehen sie daher anderen transportfeindlichen Systemen vor. Bei größeren Beschallungsaufgaben kann man solche Breitbandboxen stapeln (stacking), wobei insgesamt eine große Membranfläche entsteht, was den Sound kraftvoll und transparent macht. In großen Hallen oder Open Air allerdings tragen diese Boxen trotz des Hornes nicht weit genug. 

Eine typische Mehrwegbox ist die unter Musikern bekannte so genannte 15/3. Damit bezeichnet man eine Boxenart, die auf der Basis eines 15"-Basslautsprechern ein Dreiwegsystem beinhaltet. 

Die Monitorbox darf nicht vergessen werden, sie hat in einer kompletten Bühnenanlage einen hervorragenden Platz. Sie sorgt dafür, dass sich Sänger und Musiker auf ihrer Bühne überhaupt noch selbst und gegenseitig hören können, denn sie stehen ja im akustischen Schatten ihrer PA-Anlage. Profis haben für ihr Monitorsystem sogar ein eigenes Mischpult, von dem aus man jedem Musiker den für ihn wichtigen Schallanteil auf die Monitorbox legen kann. Wer einmal auf einer großen Bühne vor Publikum gestanden hat, als plötzlich der Monitor ausfiel, weiß wovon ich rede. Ein Monitorsystem kann auch beim Üben dazu beitragen, die Gesamtlautstärke gering zu halten, wenn sich jedes Bandmitglied gut im Monitor hören kann. Erst das Nichthören führt ja dazu, dass die Verstärker immer lauter gedreht werden.

Im professionellen Bühnenwesen hat sich das sogenannte In-Ear-Monitoring durchgesetzt. Die MusikerInnen tragen kleine Ohrhörer, denen das Musiksignal per Sender übermittelt wird. Dabei kann man ganz genau regeln, welchen speziellen Schallanteil der jeweilige Musiker benötigt. So wäre es unsinnig, dem Schlagzeuger den Klang des eigenen Instruments aufs Ohr zu legen, das ist laut genug. Aber er muss zum Beispiel den Bass gut hören, um mit ihm im Einklang zu spielen. Natürlich auch die anderen Instrumente und den Gesang. Alles kann man jedoch beim In-Ear-Monitoring genau abstufen.

Während es früher ein Problem war, Beschreibungen von Boxen zu bekommen, gibt es heute unzählige Schriften einschließlich exakter Baupläne und Anleitungen. Wer sich an den Selbstbau wagt, sollte bedenken, dass nur Markenlautsprecher für Instrumente oder PA auch den erhofften Klang bringen. Und die sind leider teuer. Einige Bauvorschläge gibt es auf der Seite Projekte.

 


Zur Geschichte des Verstärkerbaus   top

    

Die Entwicklung der Gitarren-Verstärkertechnologie ging Hand in Hand mit der Möglichkeit den Sound einer Gitarre durch die Verwendung entsprechender Pick Up-Systeme abnehmen und übertragen zu können. Die Notwendigkeit zu Experimenten in dieser Richtung ergab sich durch die Instrumentierung der in den 30er- und 40er-Jahren üblichen Big Band-Besetzungen, in denen die Gitarre - mangels Lautstärke - eher eine untergeordnete Rolle spielte. Ihre musikalischen Statements wurden - so schön sie auch waren - vom übermächtigen Gebläse regelrecht in Grund und Boden gehupt.

Erst die Entwicklung von elektrisch verstärkbaren Instrumenten sorgte dafür, dass sich das Aufgabenfeld des Instruments neu definierte und ebnete den Weg für den Siegeszug der E-Gitarre im aufkeimenden Rock´n´Roll-Genre der 50th. Die ab den späten 60er-Jahren so beliebte Verzerrung gehörte seinerzeit noch zu den unerwünschten Nebenwirkungen des Kampfes um größere Lautstärkepotentiale. Später etablierten Gitarristen wie Dave Davies (Kinks), Ritchie Blackmore, Eric Clapton oder Jimmy Page die bis dato ungeliebte Endstufen-Verzerrung als Stilmittel und eröffneten der Rock-Musik so neue Welten.

Da alle Amps zu diesem Zeitpunkt noch ohne Mastervolumen-Regler auskommen mußten, rissen die Protagonisten ihre Verstärker bis zum Anschlag auf und gaben ihnen - mit vorgeschalteten Verzerrern wie dem Maestro Fuzz Face - ordentlich Zunder. Mit Einführung des sogenannten Master-Volumes in den Siebzigern milderte sich die bis dato für eine ordentliche Verzerrung nötige Grundlautstärke ab. Bei Amps mit Mastervolumen Regler wird die Verzerrung grundsätzlich in der Vorstufe (Preamp) erzeugt. Die Endstufe sorgt dann lediglich dafür, dass das "fertige" Signal mit der nötigen Lautstärke versorgt wird. Der so erreichte technische Status Quo hat auch heute noch seine Gültigkeit und stellt nach wie vor einen der großen Standards im Amp-Biz dar.

 


 

Verstärker allgemein   top

 

Bei der Zusammenstellung einer Instrumentalanlage für eine Band kommt es darauf an, was finanziell möglich und was vom Aufwand her nötig und effektiv ist. Amps gibt es in allen Schattierungen und Preislagen. Der Ausdruck "amp" stammt wieder mal aus dem Englischen und ist die Abkürzung von "amplification", was übersetzt nichts weiter als "Verstärkung" bedeutet.

 

Es gibt im Grunde bei den Bands zwei Hauptrichtungen mit entsprechenden Abstufungen: Heavymetal-Anhänger wollen auch optisch Power zeigen und bauen sich entsprechende Boxenwände (z. B. mit Marshall-Türmen) auf der Bühne auf. Hightech-Freaks verbannen alle sichtbaren Lautsprecher von der Bühne und steuern alle Instrumente zentral, Kopfhörer (In-ear-monitoring) ersetzen die Monitore. Die erste Lösung ist schon von der Übungsraumsituation her für eine junge Band unsinnig, letztere aus finanziellen Gründen. Also bewegen wir uns irgendwo in dem Raum zwischen beiden Extremen.

Bei vielen Bands (auch Profis) geht der Trend in Richtung Kofferverstärker (Combo), also weg von Türmen aller Art. Das scheint mir auch vernünftig, weil Kofferverstärker sehr transportabel sind und dem Instrumentalisten heute eine Menge zu bieten haben. Aktuelle Modelle (z. B. von Line 6) sind in der Lage, auf digitalem Weg eine ganze Anzahl von Verstärkertypen einschließlich Speaker-Simulation zu modellieren. Das heißt, man hat zwar einen relativ kleinen Kasten hinter sich stehen, der Sound kann aber durchaus wie ein Marshall klingen. Ganz abgesehen davon, dass es Kofferverstärker gegeben hat, die Maßstäbe gesetzt haben und zur Legende geworden sind. Einen günstigen Fender Twin- oder Vox AC 30-Oldie würde ich mir ohne Zögern kaufen.

Kofferverstärker haben in der Regel mehrere Eingänge mit unterschiedlicher Regelung. Üblich ist ein so genannter Normaleingang. Bei ihm kann man nicht viel regeln außer Lautstärke und Klang. Darüber hinaus gibt es oft noch einen zweiten Eingang, der sich dadurch auszeichnet, dass man sein Instrument mit Effekten versehen kann. So kann man die Gitarre verhallen, einen Choruseffekt einschalten oder einen Verzerrer oder Boost. Die modernen Combos enthalten womöglich ein komplettes digitales Effektgerät, das alle Wünsche befriedigt. An einen solchen Verstärker lassen sich zur Not zwei Gitarren mit verschiedenen Klangeinstellungen anschließen. Beim Kauf sollte man also darauf achten, dass der Kofferverstärker zweikanalig ausgelegt ist, wobei jeder Kanal mit einem getrennten Lautstärkeregler und beide zusammen mit "Mastervolume" einstellbar sein sollten. Das macht auch für einen einzelnen Gitarristen Sinn, weil er dann die Möglichkeit hat, zwischen den Kanälen mit unterschiedlichen Sounds und Lautstärken umzuschalten.

 

Solche Combos gibt es auch als Bassausführung. Das erkennt man an der fast immer vorhandenen Bassreflexöffnung, während das Verstärkergehäuse hinten - im Gegensatz zum Gitarrencombo - geschlossen ist. Es ist aber nicht gesagt, dass diese Verstärkerart nur für den Bass geeignet ist. Vielmehr können Keyboards ebenfalls vorzüglich angeschlossen werden, die ja heute auf Grund ihrer digitalen Klangerzeugung (PCM) doch gewaltige und impulsstarke Klänge liefern. Aktuelle Basscombos - etwa von Gallien/Krueger - liefern zudem noch reichlich Power, weil sie mit zwei Endstufen bestückt sind. Eine treibt den/die Basslautsprecher (in der Regel 2x10"), die andere ein Hochtonhorn. Schließt man zusätzlich eine weiter Box an (1x15"), dann wird es noch lauter. "Kofferverstärker" bedeutet also nicht automatisch "wenig Power".

Wer dennoch meint, auf Türme nicht verzichten zu können, kann ja erst mal klein anfangen: mit einer 4x12"-Box und einem Verstärker-Top. Diese Art Verstärkung ist für reine Gitarrenbands und Rockmusik sicher nicht falsch. Später kann man noch eine zweite Box nachkaufen und auf die erste stapeln. Fertig ist der Tower! Boxen gibt es als Bass- und Gitarrentypen. Auf Lenkrollen, Griffe und Kanten-/Eckenschutz sollte man achten.

Auch das Prinzip der jeweiligen Verstärkerschaltung muss bedacht werden. Amps in Röhrentechnik liefern warme, leicht angezerrte Sounds. Das ist gut für Rockgitarren und Solospiel. Verstärker in Transistortechnik bzw. mit integrierten Schaltkreisen liefern klare, unverzerrte Klänge. Das ist gut für Keyboards und Gesang. Dies ist eine allgemeine Richtschnur. Die Entscheidung für diese oder jene Richtung kann nur dadurch fallen, dass man das entsprechende Instrument am auszuwählenden Verstärker anhört. Bei vielen Musikern gehen hier die Meinungen weit auseinander.

 

Der Verstärkung von Mikrofonen (für Gesang, Instrumentenabnahme, Overhead bei Drums) sollten wir schließlich auch einige Gedanken widmen. In erster Linie hängt der gezielte Einsatz von Mikrofonen davon ab, wie groß die PA ausfällt. Bei Einsatz eines Saalmischpultes ist der Kauf von Endstufen unerlässlich. Diese sollten stereo ausgelegt sein und eine hohe Leistungsreserve haben, damit sie nicht dauernd voll ausgelastet sind, was dann wiederum zu Verzerrungen führt. Endstufen sind in Transistortechnik üblich. Professionelle Ausführungen haben einen eingebauten Lüfter zur Kühlung der Endtransistoren. Beim Kauf einer Endstufe sollte man darauf achten, welche Schutzschaltungen sie aufweist. Diese orientieren sich am Preis und an der Qualität der Endstufe. Solche Schaltungen schützen sowohl die Endstufe selbst als auch  die angeschlossenen Lautsprecher. Im Einzelnen können das sein:

  • Hitzeschutz - schaltet das Gerät bei Erreichen eines Grenzwertes automatisch ab

  • Kurzschlußschutzschaltung - begrenzt die Leistung vor einem Kurzschluss und hält die Endtransistoren im sicheren Arbeitsbereich

  • Gleichstromschutzschaltung - schützt die Stromversorgung jedes Kanals einzeln

  • Schutz vor zu niedriger Eingansimpedanz - schützt vor falschen (zu niedrigen) Lautsprecherwerten

  • Leerlaufschutz - schützt die nicht belastete Endstufe

  • VHF-Limiter - schützt die Endstufe vor nicht hörbaren Frequenzen

  • Clip-Limiter - regelt die gefährlichen Pegelspitzen weg

Schließlich sollte man noch die Leistungsangaben der Endstufe überprüfen. Der inzwischen gebräuchliche und einzig zuverlässige Wert ist die RMS-Angabe (Root Mean Square) Dabei wird die Leistung in Watt angegeben (z. B. 300 Watt RMS). Durch ein aufwändiges Messverfahren wird die Leistung über den gesamten relevanten Frequenzbereich erfasst. Dadurch ist sichergestellt, dass der Energiegehalt des Signals bei beliebigen Frequenzen konstant ist. Begriffe wie Sinus-Leistung, Peak-Leistung oder Musikleistung sind veraltet und ungenau und gehören nicht in das Datenblatt einer Qualitätsendstufe.

 

Endstufen müssen keine großartigen Regler aufweisen. Man findet oft nicht mehr als den Einschaltknopf, zwei Pegelregler und eine Überlastungsanzeige (clipping). Das reicht auch vollkommen, das Aussteuern geschieht ja am Mischer. Auch im Endstufenbau hat inzwischen die Miniaturisierung Einzug gehalten, was dazu führt das ungeheuer leistungsstarke Endstufen ziemlich schmalbrüstig aussehen, allerdings zu stolzen Preisen.

Wählt man ein kleineres Mischpult, kann man zu Exemplaren greifen, die auf der Bühne aufstellbar sind und gleich auch eine Endstufe enthalten (Powermixer). Für die Mehrheit junger Bands, die überwiegend an kleinen Veranstaltungsorten spielen, reicht das sicherlich aus und ist - auch im Hinblick auf den Aufwand - zu empfehlen. Man spart große Aufbauaktionen, Bühnenkabel (Multicore), Stagebox, externe Endstufen und aufwändige PA-Boxen. Letztere können dann sehr kompakt und breitbändig sein (siehe Baupläne und Boxenbeschreibungen). Sobald aber der Auftritt ins Freie geht (Open Air), steigt der Aufwand an Verstärker- und Boxenleistung, denn es will ja nun sehr viel Luft erstmal bewegt werden, bevor der Schall beim Publikum ankommt. Nicht umsonst liegen bei großen Open-Air-Festivals die Wattangaben im sechsstelligen Bereich.

 


 

Zur Röhrenbauweise   top

 

Mit der sogenannten Class A bzw. Class B Schaltung bilden seit vielen Jahren zwei unterschiedliche elektronische Layouts die Basis des Röhrenbusiness. Zu den bekanntesten Verstärkern, die dem Class A Konzept folgen, gehört der legendäre VOX AC 30, der als exklusiver Soundlieferant von Gitarrenhelden wie Brian May die typischen Qualitäten der Baureihe offenbart. Ein warmer, dynamischer Sound, eine durchsetzungsfähige und dennoch cremige Verzerrung sind die herausragenden Eigenschaften mit denen alle Amps der Kategorie Class A aufwarten können. Da die meisten Verstärker ohne Mastervolumenregler auskommen, muss man sich allerdings darauf einstellen, satt verzerrte Sounds nur bei absoluter Kampflautstärke geliefert zu bekommen. Nachteil der Class A Technik ist auch der relativ hohe Röhrenverschleiß, der eine regelmäßige Wartung und Ausstausch der verwendeten Bauteile nach sich zieht.

Diverse andere Klassiker der Röhrenbranche basieren auf der Class B Schaltung. Sie ist weniger wartungsintensiv und bei einer verwendeten Class B Endstufe bleibt der Gesamtsound länger clean, als das bei Verstärkern auf Class A Basis der Fall wäre. Das macht ihr Einsatzgebiet flexibeler und lässt sie zum ultimativen Lautmacher für alle Mehrkanalamps werden. Aber es gibt auch sehr erfolgreiche Kombinations-Amps. So gilt zum Beispiel beim begehrten Mesa Dual Rectifier der Slogan "Best Of Both Worlds", verbindet er doch die Vorzüge der Class A- mit denen der Class B Schaltung.

Apropos Best Of Both Worlds. Vielleicht hast du bei der Lektüre von Prospekten schon einmal etwas von britsch bzw. amerikanisch klingenden Amps gehört?! Diese Einteilung wird sehr gerne gemacht, um die klanglichen Grundcharakteristika der verschiedenen Amps zu beschreiben und steht - zumindest theoretisch - in unmittelbarer Verbindung mit den jeweils verwendeten Endstufenröhren. So liefern Röhren der Bauart 6L6 zum Beispiel - pauschal gesagt - den typischen amerikanischen Sound, wogegen die legendären EL34 für die Klangeigenschaften stehen, die man im Volksmund gerne mit dem Etikett "britischer Sound" belegt. Einige Amps bieten sogar die Möglichkeit zwischen den beiden Röhrenkonzepten bzw. Klangwelten wählen zu können. Eine größere stilistische bzw. klangliche Bandbreite ist die Folge.

 

Firmengeschichte

Der Anfang

1960er und 70er Jahre

1980er bis heute

 

 

 

 

Tom Jennings

 


 

Röhrentop oder Combo?   top

Grundsätzlich sollte man sich im Vorfeld jeder Kaufentscheidung ausführliche Gedanken darüber machen, welche Grundanforderungen der Verstärker der Träume erfüllen sollte. Die erste Selektion findet im allgemeinen bei der Auswahl des jeweilgen Verstärkerkonzepts statt. In der Komplettlösung stehen hier zwei Bauarten zur Auswahl: Der Combo Amp (Verstärker plus Lautsprecher in einem Gehäuse), der ein ebenso unabhängiges wie kompaktes System darstellt und das Stack-Konzept, das aus einem Verstärker-Topteil und einer entsprechenden seperaten Lautsprecher-Box besteht.

Ein kompaktes System wie ein Combo-Amp ist einfach zu transportieren und hat alles an Bord was man benötigt, um umgehend loslegen zu können. Die Kombination Topteil und 4x12-Box bietet den gnadenlos druckvollen Sound, den man nicht nur als Rock-Gitarrist überaus schätzt. Die einzelnen Hersteller bieten zwar zu jedem Head (Topteil) ein passendes, auf die jeweiligen Klang-eigenschaften abgestimmtes Cabinet an, es ist aber auch ohne weiteres möglich, Produkte verschiedener Marken miteinander zu kombinieren. Neben der wohl am weitesten verbreiteten 4x12-Variante erfreuen sich auch Boxen im 1x12- oder 2x12-Design großer Beliebtheit. Vorteil: Sie lassen sich wesentlich leichter transportieren als ihre 4x12er-Geschwister. Im Normalfall kann man sogar zwei Boxen des 2x12-Typus zusammenschalten, so dass man - zumindest annäherend - wieder den geliebten 4x12er-Druck geniessen kann. Dazu aber gleich mehr.

Vergleicht man die technische Ausstattung von Top-Teilen und Combo-Amps, wird man feststellen, dass sie im großen und ganzen identisch ist. Sehr häufig wird ein und derselbe Amp sogar sowohl in der Topteil- als auch der Combo-Ausführungen angeboten. Zu den Mainfeatures: Mittlerweile sind die meisten Amps 2-kanalig ausgelegt. Im Allgemeinen steht hier ein Clean- und ein Lead-Kanal zur Verfügung. Dieses Konzept reicht im Normalfall aus, um soundtechnisch soweit flexibel zu sein, dass man in der Lage ist die unterschiedlichsten Stilistiken abzudecken. Noch eine Spur komfortabler sind 3-kanalig ausgelegte Amps. Zusätzlich zu den beiden Basis-Sounds Clean/Lead liefern Verstärker dieser Bauart einen Crunch-Kanal, den Spezialisten für alle angezerrten Sounds. Wichtig für den optimalen Einsatz von Effektgeräten ist ein zusätzlicher Effektweg (auch Effektloop oder Einschleifweg genannt). Bei Amps, die mit diesem Feature aufwarten, wird das Signal - nachdem es von der Vorstufe mit der nötigen Verzerrung bedacht wurde - abgegriffen (Send), durchläuft das jeweilige Effektgerät und wird dann zur Versorgung mit der nötigen Lautstärke, der Endstufe zugeführt (Return). Diese Herangehensweise sorgt bei Amps mit Mastervolumen dafür, dass der Effektsound nicht mitübersteuert wird und so Modulations- und Raum-Effekte perfekt rüberkommen. Effekteinschleifwege gehören mttlerweile zum Standard-Angebot der meisten Amps. Grundsätzlich kann man zwei Arten von Effektwegen unterscheiden: Die serielle und die parallele Variante. Bei einem seriell angelegten Effektweg wird das Vorstufensignal komplett abgeleitet und durch das jeweils zum Einsatz kommende Effektgerät geführt. Um ungewollte Übersteuerungen innerhalb des Geräts zu vermeiden, bieten viele Amps die Möglichkeit einer Absenkung des Signals innerhalb der Loop um -10dB o.ä. Nachteil dieser Methode: Da das komplette Vorstufen-Signal durch das Effektgerät geführt wird, bestimmt die Qualität der hier verwendeten Wandler, was im Endeffekt an der Return-Buchse ankommt. Ein billiges Effektgerät kann dem Sound des Amps so schon ganz schön zusetzen. Für Amp-Puristen ein Greul. Einen etwas dezenteren Weg gehen parallele Effektwege. Hier wird lediglich ein regelbarer Teil des Signals abgegriffen, um im Effektgerät bearbeitet zu werden. Der "Rest" des Signals durchläuft den Amp pur und unbeeinflusst.

Noch kurz ein paar Worte zur Leistung: Schon ein 50- bzw. 60-Watt-Amp reicht aus, um in nahezu allen musikalischen Situationen lautstärketechnisch bestehen zu können. 100 Watt Tops stellen eine zusätzliche Leistungs-Reserve zur Verfügung, so dass wirklich nichts mehr schief gehen kann. Bei einigen Verstärkern läßt sich die Endstufenleistung vorwählen. In den meisten Fällen kann sich der User zwischen der 50 und 100 Watt Variante.

 


 

Boxen   top

 

Ein für den Sound des Stacks entscheidendes Thema ist die Auswahl einer optimal auf das jeweilige Topteil abgestimmten Box. Wie eben schon erwähnt,  bietet der Markt hier diverse Varianten, die sich - im Groben - in der Anzahl der verwendeten Lautsprecher und ihrer jeweiligen Größe unterscheiden. In den meisten Gitarrenboxen kommen 12 Zoll-Speaker zum Einsatz. Es stehen die Versionen 1x12", 2x12" und 4x12" zur Verfügung. Wenn man sich auf keine Experimente einlassen will, dann wählt man die Cabinets, die vom Hersteller für das jeweilige Topteil empfohlen werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass das Thema Lautsprecher und Boxenkonzept mindestens genauso komplex ist, wie das bereits abgehandelte Verstärker-Thema. Denn natürlich kommt es nicht nur auf die Anzahl und die Art und Marke der verbauten Lautsprecher an, wie eine Box im Endeffekt klingt. Die jeweilige Gehäuse-konstruktion, Material, Verstrebungen, Speakerpositionen und sogar die Oberflächenstruktur oder Frontbespannung haben ihren Anteil am Gesamtsound der diversen Boxentypen. Die verwendete Box stellt einen entscheidenden Sound-Faktor dar, denn sie ist in der Lage, die Basis-Klangeigenschaften eines Amps maßgeblich mit zu beeinflussen.

 


Amp und Box   top

Wie aus vielen Anfragen von Rockprojekt-Besuchern ersichtlich, bereitet besonders die Zusammenschaltung von Verstärker und Box(en) Probleme. Man ist sich unsicher: Passt die Box mit ihren Anschlusswerten überhaupt an den Amp?

Im Grunde ist es so schwer gar nicht. Die wichtigste Faustregel lautet:

  • Die Box (oder die Kombination) muss den selben wie oder einen höheren Widerstand als der Verstärker haben.

Ist beim Verstärker also ein Abschlusswiderstand von 4 Ohm angegeben, so darf die Box (oder die Boxenkombination) nicht darunter gehen, höhere Werte sind kein Problem. Weniger als 4 Ohm darf man nicht betreiben, da wird der Amp überlastet. Besonders Transistorverstärker reagieren da sehr empfindlich und es kommt schnell zum Blackout, wenn keine Schutzschaltung vorhanden ist.

Bei 4 Ohm gibt der Amp seine maximale Leistung ab. Je höher nun die Impedanz der angeschlossenen Lautsprecher wird, desto weniger Leistung gibt der Verstärker ab.

Optisch verdeutlicht sieht der Leistungsabfall etwa so aus:

volle Leistung

4 Ohm-Amp

     
 

Leistungsabfall

   
 

 

 

Leistungsabfall

 
   

 

 

 

 

Leistungsabfall

 

 

     
4 Ohm-Box 6 Ohm-Box 8 Ohm-Box 10 Ohm-Box

Ähnliche Werte ergeben sich bei Amps mit anderen Abschlussimpedanzen.

Fazit: Mit einem 8 Ohm-Lautsprecher bekommt man aus einem 4 Ohm-Amp niemals die volle Leistung. Und mit einem 4 Ohm-Lautsprecher an einem 8 Ohm-Transistor-Verstärker riskiert man das Abrauchen des Amps. Hat man also eine Lautsprecher- oder Boxenkombination, die nicht zum Amp passt, so sollte man versuchen, durch Parallel- oder Reihenschaltung einen Näherungswert zu erreichen, der dem Abschlusswiderstand des Amps nahe kommt (siehe Schaltungsbeispiele Lautsprecher).

Ein korrekter Hersteller übrigens bringt an seine Amps und Boxen ein Typenschild an, auf dem die Daten - also auch die Impedanzen - angegeben sind. Ansonsten hilft der Blick ins Datenblatt oder die Suche im Internet. Bei Boxen kann man zur Not noch einen Blick auf die Speaker werfen, die meist einen Datenaufkleber haben, und aus der Zusammenschaltung den Gesamtwiderstand ermitteln.

An vielen Verstärkern und auch an Boxen finden sich zwei Lautsprecher-Ausgänge, bei denen die Buchsen parallel geschaltet sind. Werden beide Verbindungen benutzt, handelt es sich also automatisch um eine Parallel-Schaltung! Nimmt man zwei 4 Ohm-Boxen und hängt sie an die beiden Ausgänge eines 4 Ohm-Verstärkers, ist die Belastung des Verstärkers eine 2 Ohm-Belastung. Ebenso, wenn man die eine 4 Ohm-Box an die andere hängt und diese wiederum an den Amp. In jedem Fall können Schäden die Folge sein. Bei einer solchen Zusammenstellung bleibt nur die Möglichkeit der Serienschaltung der Boxen, für die man sich ein spezielles Kabel anfertigen muss.

Zum Mitrechnen:

  • In der Serien-Schaltung addieren sich die Einzelwiderstände.

  • In der Parallel-Schaltung ist der Gesamtwiderstand der n-te Bruchteil der Einzelwiderstände (n = Anzahl Lautsprecher).

Zusammenfassung (bei Parallelschaltung der Boxen):

  4 Ohm-Amp 8 Ohm-Amp
4 Ohm-Box volle Power Amp überlastet
2x 4 Ohm-Box Amp überlastet Amp überlastet
8 Ohm-Box Amp unterfordert volle Power
2x 8 Ohm-Box volle Power Amp überlastet
16 Ohm-Box Amp stark unterfordert Amp unterfordert
2x 16 Ohm-Box Amp unterfordert volle Power

 


 

Anlagen im Überblick   top

Amp pur

Der Klassiker: Man nehme einen guten Röhrenamp alter Bauart (ein Kanal genügt für diesen Zweck), reiße ihn auf (da die klassischen Amps selten über einen Master-Volume-Regler verfügen, dürfte es sehr laut werden; selbstverständlich klingen auch die mit Master besser, wenn die Verzerrung nicht nur von der Endstufe kommt), und mache den Rest mit dem Volumeregler der Gitarre (oder - für bequeme Menschen - mit einem Volumepedal). Will man einen crunchy Riffsound oder einen möglichst cleanen Sound, dreht man das Volumen entsprechend zurück: Vor- und Endstufen-röhren werden weniger angesteuert und verzerren auch entsprechend weniger.

Das mag altmodisch klingen - aber die meisten Rockklassiker wurden mit so einem Setup eingespielt und heute macht man es zum Teil wieder genau so.

Wem der vollaufgedreht Amp einfach zu laut ist (im Studio heute eher kein Problem, live und im Proberaum sind es oft die Bandkollegen, die die weiße Flagge hissen), dem bieten sich zwei Möglichkeiten an:

 

Kleine Amps
Um mit Bassisten und unverstärktem Schlagzeug mithalten zu können, genügen wirklich kleinste Röhrenamps: Ein kleiner Fender Pro Junior (15 Watt, Volume- und Toneregler, Superklassikersound!) hätte sicher bei normal arbeitenden Bands keine Probleme, sich durchzusetzen, der nächstgrößere Blues Junior bietet noch mehr Möglichkeiten.

 

Booster oder Verzerrer vorschalten
diese Möglichkeit hat bereits Jimi Hendrix genutzt. Am Fuzz Face interessierte ihn nicht der bemerkenswert kratzig verzerrte Sound, der sich ergibt wenn man dieses vor einen clean eingestellten Amp schaltet, sondern vielmehr die Sustainverlängerung, die zu Tage tritt, wenn man einen bereits übersteuerten Röhrenamp noch vor der Vorstufe zusätzlich boostet. Gary Moore verwendet seit langer Zeit einen Ibanez Tubescreamer vor seinen Marshalls, Ritchie Blackmore den Outputregler seines Tape Delays, Rhandy Rhoads einen MXR Distortion Plus, Brian May und Rory Gallagher einen Rangemaster, Jeff Beck früher irgendwas, was funktionierte, in letzter Zeit eine ProCo Ratte .... es gäbe noch viele Beispiele. Ergebnis dieser Prozedur: Mehr Verzerrung auch bei erträglichen Lautstärken, oft gesellt sich als angenehmer Nebeneffekt noch eine sehr individuelle Soundprägung hinzu.

 

Distortion vor cleanem Amp
Für viele Gitarristen war die Lösung, nur mit einem Ampkanal auszukommen, zu wenig flexibel: Wirklich saubere Cleansounds waren schwer zu erreichen, außerdem wurden in den Siebzigern zunehmend mehr Effekte eingesetzt und diese klingen vor einem verzerrenden Amp meistens nicht befriedigend (von Wah-Wah und - wie folgt - Verzerrern einmal abgesehen). Zudem ist ein aufgedrehter Marshall ohne Master einfach ungesund laut. So war man bereits in den Sechzigern auf die Idee gekommen, transistorisierte Verzerrer zu bauen, die den Overdrivesound der Röhrenamps nachempfanden. Zuerst hörte sich das meist sehr giftig und unnatürlich an, man denke an das berühmte Satisfaction-Riff oder an diverse Yardbird-Sounds aus der Beck/Page-Ära. Mit der Zeit wurden die Pedale aber immer besser, sie hießen jetzt auch nicht mehr Fuzz, sondern Overdrive, Distortion - endlich gab es auch den berühmten Tube Screamer, dessen Soundziel deutlich im Namen aufscheint. Gerade in den damals angesagten progressiven Bands wie Genesis, Pink Floyd oder Yes war Soundvielfalt angesagt: So verwendeten Steve Hackett, Steve Howe und natürlich der „Master of 100 Pedals“ David Gilmoure mehrere Verzerrer für die Leadsounds und steuerten mit diesen ihre anderen Effektpedale an. Um die doch oft rauhen Kanten etwas zu glätten setzten sie auch Kompressoren am Beginn der Signalkette ein. David Gilmoure macht das bis heute so; Ausgangspunkt ist für ihn immer ein erstklassiger Cleansound, dann mischt er die einzelnen Effekte wie ein Maler auf einer Palette zusammen.

 

Amp mit Einschleifweg
Wer doch lieber den originalen Röhrensound seines Amps verwendet, muss dennoch nicht auf Effekte verzichten. Seit Anfang der 80er Jahre ist es üblich, modernen Verstärkern einen Einschleifweg zu verpassen. Das Signal durchläuft zuerst die Vorstufe, wo es (bei Leadsounds) übersteuert wird, dann über die Sendbuchse in die Effekte und über die Returnbuchse zur Endstufe, die jetzt allerdings nicht zu stark zerren sollte, sonst würden die Effekte wieder verzerrt, was durch das Einschleifen ja vermieden werden sollte. Da moderne Amps in der Regel über 2 oder mehrere Kanäle verfügen, hat man so eine Auswahl zwischen Lead und Rhythmussounds zur Verfügung.

 

Racklösungen
In den 80er Jahren wurde es in, die altmodischen (heute lacht man darüber) Türme auszurangieren und stattdessen komplizierte und teure Racksysteme zusammenzustellen. Amptops wurden als Riesenverzerrrer missbraucht, von denen aus ganze Effektracks und letztlich cleane Röhren- (Steve Lukather - Mesa Boogie) oder Transistoren (früher Eddie Van Halen - H&H) Endstufen angesteuert wurden. Der Sinn dahinter ist sonnenklar. Man nimmt den Distortionsound seines/seiner Lieblingsamps (inkl. Endstufenverzerrung), regelt den Wahnsinnsoutput mittels Lastwiderständen wieder auf Linelevel, geht dann in die Effekte und verstärkt das Ganze dann wieder auf Bühnenlautstärke, um damit beliebig viele 4x12-Boxen anzutreiben. Zweiwegsysteme (Stereoeffekte) machten den Anfang; als man bemerkte, dass vor lauter Effekten oft der Druck und der gute Grundsound auf der Strecke blieben, kamen dann Dreiwegsystem (in der Mitte der pure Ampsound, links und rechts die Effekt in stereo). Eigentlich genial, aber: für Otto Normalverbraucher viel zu aufwändig und zu teuer. Auch viele der Superstars spielen heute wieder eher einfache Systeme. Sicher spielt dabei auch der Zeitgeist eine enorme Rolle. Nach der von Seattle ausgehenden Grunge-Bewegung waren plötzlich urige, ungeschminkte Sounds wieder in und Gitarristen, die ein Jahrzehnt lang Tonnen von Equipment mitgeschleppt hatten, bekannten sich plötzlich wieder zur "An meine Gitarre lasse ich nur Amp und Kabel"-Methode. Das soll nicht einmal ein leiser Vorwurf sein; man darf seinen Geschmack, aber auch seine Meinung im Lauf der Jahre ändern; lustig ist nur, wenn man zufällig ein altes Interview mit einem

Rackspezialisten ausgräbt, wo das damals hochaktuelle, komplizierte System in höchsten Tönen gelobt wird, das derselbe heute eher geringschätzig als „teuere Kühlschränke“ bezeichnet. Es ist aber keineswegs so, dass Racks heutzutage für Gitarristen nichts mehr zu bieten haben: Einerseits ist die Dreiwegvariante auch heute noch eine tolle Möglichkeit, komplexe Sounds zu erzielen, ohne dabei auf den Originalsound des Amps zu verzichten; andererseits gibt es heute Geräte, mit denen auch praktische Lösungen relativ erschwinglich zu realisieren sind.

 

Multiamp-Setup

Version A:
Das Prinzip ist schnell erklärt: Anstatt für verschiedene Sounds die Kanäle eines Gerätes zu benutzen, wird für jeden Sound (z.B. Clean, Crunch, Lead) ein eigener Verstärker angesteuert. Das Gitarrensignal wird dann über A-B-Boxen zum gewünschten Amp geschickt.

Version B:
Eine weitere Möglichkeit (die vor allem Stevie Ray Vaughn berühmt gemacht hat) ist das Kombinieren verschiedener Amps. Man kann sich also von Amp B genau die Frequenzen holen, die bei Amp A etwas unterbelichtet sind, dafür liefert Amp A wieder mehr Wärme usw... Eine Spielwiese für Soundfetischisten, aber natürlich nicht gerade die kostensparendste Variant!

Amp-Modelling
Kein Thema hat die eher altmodische Welt der Gitarristen derart durcheinandergewirbelt und polarisiert wie das Amp-Modelling. Mit digitaler Technik wir hier versucht, Sound und typisches Verhalten aller möglichen modernen und Vintage-Amps zu simulieren und die Erfolge sprechen zum Teil für sich.

Die wichtigsten Unterschiede zu herkömmlichen Verstärkern und auch die wesentlichsten Vorteile sollen aber hier nicht unerwähnt bleiben:

Mit einem Modeling Amp (oder Preamp) hat man alle wesentlichen Sounds (von den verschiedenstens Amps) per Knopfdruck bereits in der gewünschten Einstellung (Lautstärke, Sound) und mit den gebrauchten Effekten zur Verfügung. Man kann sich darauf verlassen, dass man immer „seine“ Sounds hat, unabhängig von Lautstärke und verwendetem Mikrofon, Mischpult etc. Viele Modeler beinhalten Simulationen von Vintage-Amps, die heute als Originale unerschwinglich wären, oder solche von wirklich teuren Nobelmarken. Aufwändige und teure Instandhaltungsprozeduren, wie sie viele Röhrenamps erfordern, fallen weg, außerdem das Gewicht der heißgeliebten Warmluftbereiter.

Auch wenn viele Gitarristen nach wie vor auf ihre Röhrenamps schwören, die Entwicklung zu digitalen Gitarrenanlagen ist noch lange nicht abgeschlossen und man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie es weiter geht.

 


 

Sound und Lautstärke   top

Das ist eines der häufigsten Probleme, mit denen Gitarristen auf der Suche nach dem "guten Ton" konfrontiert sind. Viele Verstärker klingen dann am besten, wenn auch die Endstufe so weit ausgefahren wird, dass sie verzerrt. Dieses Phänomen tritt also nicht nur bei Amps ohne Master Volume auf – diese werden einfach umso verzerrter, je lauter man den Volume Regler aufdreht, sondern ebenso bei Amps mit Gain- und Master Volume-Regler, ganz einfach, weil die Vorstufenverzerrung eine andere, weitaus kratzigere und weniger dynamische Verzerrung ist. Kitzelt man bei solchen Amps auch die Endstufe, gewinnt der Sound an Wärme und Dynamik. Die meisten gängigen Verstärker bewegen sich heutzutage in einem Wattbereich zwischen 50 und 100 Watt – und bereits 50 Watt dürften für die meisten Musiker im Proberaum oder in Clubs bereits viel zu laut sein, um wirklich ausgefahren zu werden. Schließlich spielt man ja auch bei kleineren Clubs meistens über die PA, und was soll der Mischer noch regeln, wenn der Sound, der von der Bühne kommt, schon so ungesund laut ist, dass ein Herunterregeln am Mischpult kaum Veränderungen ergeben kann?

Eine mögliche Lösung des Problems ist das Verwenden kleinerer, leistungsschwächerer Verstärker. Ein 20 Watt-Röhren-Verstärker dürfte für viele Anwendungen mehr als ausreichen, mit dem Natursound eines Schlagzeugs (auch wenn der Drummer – wie die meisten dieser Kollegen – wirklich ordentlich zuhaut). Einfache Überlegung: Je weniger Leistung die Endstufe hat, umso weiter kann diese in die Sättigung gefahren werden, bevor es definitiv zu laut wird.

Was aber, wenn man seinen Traumverstärker nun mal hat und auch benutzen möchte, dieser aber nur bei hoher Lautstärke so klingt, wie man es sich vorstellt?

Eine Lösung, die auch von vielen Profis immer wieder benutzt wird, ist das Vorschalten diverser Booster und Verzerrer, die dann so eingestellt werden, dass sie das Signal eher verstärken als verzerren, also: wenig Gain/Verzerrung, dafür aber Lautstärkeanhebung. Dabei wird einfach die Vorstufe des Verstärkers noch stärker angefahren, die Verzerrung wird erhöht, das Master- oder Gesamtvolume kann heruntergeregelt werden. Obwohl der erzielte Sound nicht ganz dem des lauten Amps entspricht, stellt das für viele einen geeigneten Kompromiss dar.

Eine weitere Möglichkeit ist das Verwenden eines Powersoaks. Das ist - vereinfacht ausgedrückt -  ein Lastwiderstand, der zwischen Endstufe und Lautsprecher(box) geschaltet wird und den Output herabsetzt, nachdem das Signal in der Endstufe verzerrt wird. Auch hier stellt das Ergebnis in gewisser Weise einen Kompromiss dar, weil der Endsound natürlich auch von der (in diesem Fall heruntergesetzten) Belastung der Speaker abhängig ist.

 


 

Amp-Sound und PA   top

Eines vorweg: Die Abnahme eines Amps über die PA wird immer nur eine Annäherung an den Originalsound bleiben, allerdings kann man mit dem entsprechenden Know-How seinem Ziel schon sehr nahe kommen.

Traditionell wird (unabhängig von der verwendeten Box) meist ein Speaker mit dem Mikrofon abgenommen. Seit Jahrzehnten wird hier in erster Linie das Shure SM 57 verwendet, obwohl es heute eine Vielzahl von Mikrofonen gibt, die das Signal ungefärbter und "professioneller" übertragen könnten. Es scheint so, dass der Mikrofon-Klassiker die gitarrenspezifischen Frequenzen betont und dass man sich genau an diesen Sound einfach gewöhnt hat. Natürlich gibt es Gitarristen, die vor ihre Amps teure Studio-Mikrofone stellen (z.B. Brian May – zu sehen in seinem Lehrvideo), aber viele andere, die auch nicht aufs Geld schauen müssten, ziehen nach wie vor das recht günstige SM 57 vor. So entstand der legendäre "brown sound" der ersten Van Halen-Platten mit genau diesem Mikrofon. Eine wahre Wissenschaft ist das Platzieren des Mikrofons. Wird es von vorn direkt auf die Membran des Speakers ausgerichtet, entsteht ein sehr höhenlastiger, spitzer Ton. Wird das Mikrofon am Rand des Speakers ausgerichtet, klingt es eher ´muffig´. Für die meisten Anwendungen ist die goldenen Mitte genau richtig: Man richtet das Mikrofon – oft wird hier auch mit verschiedenen Winkeln experimentiert - auf den Rand der Kalotte. Wenige Zentimeter können schon große Unterschiede bewirken, ein mittenarmer Verstärker wird ganz anders klingen als ein warmklingender, eher mittiger Amp, darum sind keine unumstößlichen Erfolgsrezepte angebracht.

Hat man einmal die richtige Positionierung für seine Amp-Mikro-Kombination gefunden, kann es allerdings mühsam und zeitraubend werden, genau diese jedes Mal auch wieder zu finden, und so bietet sich eine zweite Möglichkeit an:

In den letzten Jahren sind qualitativ hochwertige frequenzkorrigierte Direktausgänge schon fast zum Standard bei guten modernen Amps geworden. Warum diese frequenzkorrigiert sein müssen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Gitarrenlautsprecher alles andere als ein objektives Frequenzspektrum abliefern. Der Hauptteil spielt sich hier in den Mitten ab, zu viele Bässe, vor allem aber Höhen, machen den Sound kaputt, und der 2000 Euro Mesa Boogie klingt wie ein Rasierapparat. Natürlich kann man hier einwänden, dass eine gute Mikrofonplatzierung ein etwas natürlicheres Ergebnis liefert, aber mal ehrlich: Geht das im Gesamtsound beim hektischen Live-Betreib nicht sowieso eher unter? Gitarristen, die Amps ohne DI haben, müssen deswegen aber nicht verzweifeln; es gibt diese Ausgänge auch einzeln zu kaufen und sie sind weder teuer noch platzraubend, als ein Beispiel soll hier die mittlerweise legendäre Red Box von Hughes & Kettner erwähnt werden.

 


Effekte, Kabel und Co.   top

Eine der am häufigsten gestellten Fragen überhaupt. Generell lässt sich folgende Grundregel anwenden: lautstärkeverändernde Effekte vor soundverändernden Effekten vor Zeiteffekten. Einzige Ausnahme bildet hier das Wahwah-Pedal: Es gibt zwar immer wieder Gitarristen, die das Wah hinter ihren Verzerrer schalten (Jimi Hendrix nutzte z.B. beide Varianten, nach Lust und Laune), die meisten stellen es aber vor den Verzerrer; wenn man nur mit dem Amp verzerrt, ergibt sich das zwangsläufig, denn im Einschleifweg hat das Wah einfach nichts verloren.

Amps ohne Einschleifweg (FX-Loop)
Gitarre -> Wah Wah -> Overdrive/Verzerrer -> Chorus/Flanger -> Digital Delay -> Amp

Ein Reverb vorzuschalten macht in der Regel nur dann einen Sinn, wenn der Amp wirklich clean eingestellt bleibt, die Verzerrung sollte dann nur vom Pedal kommen. Die meisten Amps ohne Loop haben ja sowieso einen Federhall.

Amp mit Einschleifweg (FX-Loop)
Gitarre -> Wah Wah -> Overdrive/Verzerrer -> AMP-Input -> FX-send -> Chorus/Flanger -> Digital Delay/Digital Reverb -> FX-return (-> Endstufe -> Box)

Spezialfälle
Volume Pedal: wird sehr gerne anstelle des Lautstärkereglers an der Gitarre verwendet (dann lassen sich auch hervorragende Volume Swells/Violin-Sounds erzeugen, ohne dass man sich den kleinen Finger ausrenken muss) ; in diesem Fall gehört das Pedal an den Anfang der Effektkette.

Octaver: klingt fantastisch dreckig, wenn er vor der Verzerrung steht; weiter hinten kommt vor allem eine tiefere Oktave fast bassmäßig sauber, was auch ein interessanter Effekt sein kann.

Harmonizer/Pitch Shifter: Immer etwas schwierig – vor der Verzerrung eingesetzt, wird der Ton ziemlich dreckig. Bei den modernen "intelligent pitch shifters", die quasi eine zweite (oder sogar dritte) Stimme hinzufügen können (Tonart muss vorher definiert werden!), kann es vor allem bei billigeren Geräten vorkommen, dass sie bei verzerrtem Eingangssignal Probleme haben, den zu bearbeitenden Ton auch richtig zu erkennen. Das kann gelegentlich zu schrägen Ergebnissen führen. Dennoch ist die Klangqualität im Einschleifweg natürlich wesentlich besser.

Phaser/Leslie-Simulation/Tremolo/ Vibrato/Vibe...: Diese Effekt klingen grundsätzlich gut, wenn sie vor dem Amp angeschlossen werden, auch die nachfolgende Verzerrung schadet ihnen eigentlich nicht. Aber auch im Loop sind sie gut aufgehoben und produzieren dort deutlich weniger Nebengeräusche. Hier ist also einfach Ausprobieren angesagt.

Soundqualität und viele Pedale
Pedale, die das Signal vor dem Eingang des Amps durchläuft, haben – in erster Linie im Bypass-Modus - schon die unangenehme Eigenschaft, Lautstärke und Höhen zu klauen. Besonders gemein sind hier diverse Wah Wah-Pedale, auch und gerade die Klassiker. Darum rüsten viele Firmen ihre Effekte heute mit einem True Bypass aus, d.h. bei dieser Schaltungsart durchläuft das Originalsignal den Effekt nicht, wenn dieser nicht aktiviert ist. Wenn jemand am Anfang der Signalkette sowieso immer einen Booster stehen hat, kann er die Verluste mit diesem ausgleichen. Im Einschleifweg verhält sich die Sache an sich nicht so tragisch, weil das Signal, das aus der Vorstufe kommt, schon stark genug ist, allzu billig gemachte Effekte können aber natürlich auch hier Schaden anrichten. Wer den Originalsound seines Amps nicht beeinträchtigen möchte, ist mit einem seriellen Einschleifweg bestens bedient (siehe auch im Glossar)

Verkabelung
Die Reihenfolge der Verkabelung ergibt sich aus den oben beschriebenen Möglichkeiten der Effektanordnung. Eines soll hier aber nicht unerwähnt bleiben: Es macht keinen Sinn, viel Geld für ein gutes Gitarrenkabel auszugeben, wenn dann die Verbindungen zwischen den einzelnen Effekten mit minderwertigen Patchkabeln gemacht werden, also auch hier auf Qualität schauen!

Knall beim Ein- und Ausstecken der Gitarre vermeiden
Die einfachste Lösung für diese Problem wäre ein Volume Pedal vor dem Verstärker, das vor dem Wechsel einfach auf 0 gestellt wird. Noch eleganter, weil dann das Umstecken ganz wegfällt, ist eine AB-Box. Beide Gitarren (es gibt auch Modelle für 3) bleiben verkabelt, zum Wechseln muss nur noch umgeschaltet werden. Verschiedene Looper/Line Selector (wie z.B. der BOSS LS 2) bieten diese Möglichkeit ebenfalls.

Wechsel zwischen Verstärkern
Auch hier braucht man eine AB-Box. Es gibt spezielle Geräte, die ein Signal auf 2 oder 3 verschiedene Ausgänge schalten. Für diese Anwendung sollten die Geräte schon professionell sein, weil es sonst zu Brummschleifen kommen kann. Auch hier kann der BOSS LS2 zum Einsatz gebracht werden.

Unterschiede Mikro, Line-out, DI
Die Abnahme mit Mikrofon ist immer noch der natürlichste Weg und wird nach wie vor im Studio am häufigsten verwendet. Die typischen Charakteristika des verwendeten Verstärkers und der Box kommen hier ganz klar zum tragen.

Nachteil ist, daß man eine gewisse Lautstärke braucht, damit die Gitarre gut klingt. Außerdem nimmt ein Mikrofon, welches auf der Bühne steht, auch andere Schallquellen mit auf, was eigentlich nicht erwünscht ist. Deswegen wird live auf der Bühne immer häufiger der Line-In Weg benutzt. Praktisch fällt der Verstärker ganz weg - das Gitarrensignal geht von der Gitarre in den Modellingamp (Die neuen Modelle stellen nicht nur mehrere Amps sondern auch mehrere Boxen- und Abnahmemikrofon-Kombinationen zur Verfügung) direkt ins Pult. Die Vorteile sind hier, daß der Sound immer gleich ist, die Effekte sind besser zu hören und man hat kein Übersprechen von anderen Signalen. Weiterhin ist der Line-in Sound bei den aktuellen Geräten (Digitech GNX oder Genesis und Line 6 Pod XT) so gut geworden, daß man getrost auf ein Mikrofon verzichten kann. Außerdem braucht man nicht mehr so viel Gerödel von Gig zu Gig schleppen.

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