Home   I   Impressum   I   Datenschutzerklärung
 

Einleitung

 

Gerade in Anfängerbands fristet der Gesang ein Schattendasein, obwohl es doch in der Popmusik heute so ist, dass sie von Sängerinnen und Sängern dominiert wird. Die Gewichte haben sich etwas verschoben. In den 60ern und 70ern war das Gruppenimage der treibende Faktor, wobei es nicht ausgeschlossen war, dass Sängerpersönlichkeiten sich hervorhoben, denken wir an Mick Jagger bei den Rolling Stones oder Robert Plant mit seiner extremen Stimme bei Led Zeppelin. Lediglich wenige waren es damals, die als Solosänger auch etwas galten, etwa Joe Cocker oder Janis Joplin.

 

Das ist heute anders. Wenn Tina Turner auftrat, interessierte es kaum, wer im Hintergrund musiziert. Und auch Michael Jackson, Prince oder Bruce Springsteen sind Sänger und Programm zugleich. Bei unserem bundesdeutschen Popwunder Nena war es nicht anders, denn da hieß gleich die ganze Band so, weil allein das hübsche Girl das Zugpferd war.

 

Warum ist es dann so schwer, in jungen Amateurbands die Leute ans Singen zu bringen? In erster Linie ist daran sicher das mangelnde Selbstvertrauen schuld. Zu dieser Verunsicherung trägt auch ein Mangel an Übung bei. Die heutigen Popsongs sind anders strukturiert als früher. Oft zum Nachteil der Musikkultur, wie ich meine. Die überwiegende Rhythmusorientiertheit führt allgemein zu einem Verlust an Melodien. Die heutigen Hits sind vielfach nicht mehr nachsingbar, weil ihnen der hohe Wiedererkennungsfaktor fehlt. Also können Nachwuchssänger ihre Stimme gar nicht mehr durch Nachsingen schulen. Ein gediegener Satzgesang ist eigentlich völlig out. Ausnahmen bestätigen die Regel! Und beim so genannten Rap, der als subkuturelles Ventil im Ghetto amerikanischer Großstädte seine Berechtigung haben mag, reicht es schon zum Star, wenn man in einer Tour drauflosplappert. Alternativ kann man sich auch 100 Tage in einen Container sperren lassen und ist prompt CD-reif. Für engagierte RockmusikerInnen ist das kein Weg. Sie wollen mehr. Was also tun, um den Bandgesang zu fördern?

 

Früher war es also fast zwangsläufig so, dass man zum Gesang fand und dabei blieb, auch wenn man ein Instrument spielte. Heute ist das nicht mehr so selbstverständlich. Es geht auch bei jungen Bands eher der Trend in Richtung Spezialisierung. Ich meine aber, dass Gesang in einer Band auch dann möglich ist, wenn man keinen Solosänger findet. Falls doch, umso besser. Allerdings kann man nicht einfach hingehen und lossingen, es muss schon eine Vorbereitung stattfinden, einmal auf der psychologischen Ebene im Abbau von Hemmschwellen, zum anderen im physischen Bereich mit einer gewissen Stimmschulung.

 

Damit meine ich nicht irgendeine Ausbildung zum Opernsänger. Im Gegenteil: Die klassische Ausbildung kann möglicherweise - je nach dem, an welchen Lehrer man gerät - das Gegenteil bewirken, dass man nämlich für das Ursprüngliche, Improvisatorische, den Blues in der Stimme für alle Zeiten verloren ist. Schulung bedeutet für mich:

  • Viele andere Sänger und Ihren Stil anhören und studieren!

  • Nachsingen, aber nicht imitieren, die eigene Stimme finden!

  • In ständigem Training bleiben, damit die Stimme Kraft bekommt!


 

Übung   top

 

Als Anfänger der Sangeskunst hat man es zunächst recht schwer. Während der Gitarrist sich als Anfänger hinter dem heißen Sound seines Powerturmes verstecken kann, hat der (die) Sänger(in) nichts außer der eigenen Stimme und dem Mikrofon. Üblicherweise ist in jungen Bands auch die Gesangsübertragung recht dünn.

 

Niemand mit Sangesambitionen sollte sich davon entmutigen lassen. In jungen Bands hilft es zum Beispiel sehr, wenn mehrere sich zu einer kleinen Gesangsgruppe zusammentun, wobei man später noch den Vorteil hat, dass man sich mit Solo und Chorgesang abwechseln kann.

 

Es sollte in einer Band auch klar sein, dass - ebenso wie die Musiker - auch Sänger das Recht haben, ihr "Instrument" zu testen und Missgriffe zu tun. Schief singen ist also der Normalfall beim Üben. Das geht auch berühmten Stars so. Wer einmal bei einer Plattenaufnahme nur den Gesang eines Stars ohne die Instrumente und die Studiotechnik gehört hat, weiß, wovon ich rede.

 

Und überhaupt: Was heißt eigentlich gut singen? Wer ist ein "guter" Sänger? Also ist nach dieser Definition jeder Opernsänger besser als Joe Cocker? Ich glaube, das wäre zu einfach. Ein solcher Vergleich ist einfach nicht möglich, weil er subjektiv auf dem persönlichen Musikempfinden aufbaut.

 

Wenn man es genau nimmt, hat ja gerade Joe Cocker - um ihn einmal herauszugreifen - gar keine Stimme. Aber das ist es ja eben. Seine "Unstimme" zeichnet ihn aus und macht ihn unverwechselbar. Hinzu kommt sein ganz persönlicher Ausdruck, seine Art der Phrasierung, der Textbetonung oder des Verschluckens. Ich möchte meinen, ein guter Sänger (eine gute Sängerin) ist der (die), den (die) man unter Tausenden heraushört. Stimme als Markenzeichen!

 

So muss es auch das Ziel jedes Anfängers sein, seinen eigenen unverwechselbaren Ausdruck zu finden. Das ist ein langer Weg und gelingt nicht jedem. Viele bleiben immer im Stadium des Kopierens stehen. Aber der Versuch muss sein.

 

Das reine Trainieren der Stimme funktioniert nicht anders als das Muskeltraining. Viel singen ist angesagt. Beachte aber, dass es sinnvoll ist, bei beginnenden Erkältungen besser nicht zu singen, da diese auch gern die Stimmbänder angreifen. Es könnte sonst zu einer langwierigen Kehlkopferkrankung kommen. Im Zweifel sofort zum HNO-Arzt. Ich habe selbst solche Warnungen mal in den Wind geschlagen und kurz vor einem Auftritt noch erkältet geübt. Am Tag des Auftritts dann war die Stimme weg, und der ganze Gig musste abgesagt werden.

 

Der (die) Sänger(in) sollte sich auch frühzeitig über seine Stimmlage im Klaren sein. Es ist wenig sinnvoll, in höchsten Tönen Heavy-Metall-Songs herausschreien zu wollen, wenn man sich dabei ungeheuer anstrengen muss, die Stimmbänder überstrapaziert werden und man den nächsten Song nur noch krächzen kann. Die richtige Stimmlage ist die, in der man ohne große Anstrengung das größte Stimmvolumen über einen längeren Zeitraum erreichen kann. Das muss man ausprobieren. Möglicherweise muss man seine Mitmusiker sogar zwingen, ein Stück in einer anderen Tonlage zu spielen. Nicht der Sänger passt seine Stimme der Tonart an, sondern der Song wird der Stimmlage des Sängers angepasst.

 

Es ist aber möglich, bei entsprechender Technik den eigenen Stimmumfang zu erweitern. Vielleicht hast du selbst schon gemerkt, dass man auf unterschiedliche Weise sein Stimmorgan bedienen kann. Im Normalfall singt man mit der so genannten Bruststimme. Wenn du mal eben ein langes AAAA singst und deine Hand auf die Brust hältst, merkst du dort ein Vibrieren. Die Bruststimme umfasst etwa 40% des Tonumfanges einer Stimme, also nur die tiefen Lagen.

 

Nun kann man aber auch als erwachsener Mann mit sehr tiefer Stimme eine fast knabenhafte hohe Stimme erzeugen, das ist die so genannte Kopfstimme. Dabei vibriert die Brust nicht mehr, man hat auch den Eindruck, als habe sich der Ton von der Brust in den Kopf verlagert. Am Anfang fällt das Singen mit Kopfstimme noch schwer, aber mit reichlich Training kann man damit durchaus normal singen. Man traut es ihr nicht zu, aber die Kopfstimme umfasst den gesamten Tonbereich einer Stimme. Hör dir die Songs der Beach Boys an, dort hörst du reichlich Kopfstimmen. In den 60er-Jahren gab es einige Sänger, die mit dieser Art zu singen Hits hatten, etwa Tiny Tim (Tiptoe Through The Tulips). Kopfstimmen sind im Übrigen gebräuchlich im Satzgesang.

 

Der Übergang von der Bruststimme in die Kopfstimme erfolgt sprunghaft in Form eines Kieksers. Auch dies haben Sänger erfolgreich kultiviert. Der Tonsprung ist jedoch vermeidbar. Versuche einmal, eine Tonleiter zu singen, indem du mit den tiefsten Tönen der Bruststimme beginnst und dann immer höher werdend nahtlos in die Kopfstimme zu gleiten versuchst: C D E F G A H C...

 

Mit ein wenig Übung gelingt dir das ohne den vorhin genannten Tonsprung. Finde nun heraus, wo ungefähr bei dir der Übergang liegt. Hier findet sich die so genannte Mittelstimme. Es ist ungeheuer schwer, sie auf Anhieb zu treffen, aber es lohnt sich, den Umgang mit der Mittelstimme zu üben, weil man dann in der Lage ist, auch höhere Stimmlagen zu singen, ohne direkt in die Kopfstimme überzugehen.

 

Diese Grundübungen kann man jederzeit im stillen Kämmerlein machen, sodass die Bandkollegen nicht unnötig genervt werden. Überhaupt muss jede(r) ernsthafte Sänger(in) zuallererst mit sich allein trainieren. Das Singen unter der Dusche ist also auch für dich ein Muss!

 


 

Hemmungen abbauen   top

 

Um die Möglichkeiten deiner Stimme anfangs überhaupt in den Griff zu bekommen, solltest du dir verschiedene CDs (bzw. Platten oder Kassetten) mit unterschiedlichen Stücken und Stilen besorgen sowie die Texte der Songs. Es gibt übrigens auch Tonträger, die nur die reinen Playbacks enthalten, also die Musik ohne den Gesang. Für Sänger ideal zum Üben.

 

Beim Mitsingen wirst du bald merken, wo deine Stärken und Schwächen liegen, auch, welche Stimmlage dich überfordert. Das Lied, das dir am besten liegt, sollte für dich die Grundlage der weiteren Übung werden.

 

Sicher hast du erst versucht, möglichst genau nachzusingen. Schau dir nun den Text genauer an und markiere dir mit unterschiedlichen Zeichen, wo der Sänger besonders betont, wo er weniger betont, wo er lauter oder leiser wird. Finde heraus, wie die Art des Vortrages mit dem Inhalt des Titels in Zusammenhang gebracht wurde.

 

Als Beispiel sei hier der Song With A Little Help From My Friends von den Beatles genannt. Durch den Wechselgesang zwischen Ringo und den anderen wird der Liedinhalt umgesetzt. Ganz anders die berühmte Cover-Version von Joe Cocker: Er hat ein völlig neues, im Tempo langsameres Lied daraus gemacht. Sein Vortrag gleicht eher einem Notschrei nach der Hilfe eines Freundes. Joe Cocker hat sozusagen sein Innerstes nach außen gestülpt.

 

Wenn du jetzt das von dir gewählte Lied noch einmal vornimmst, wird dir vielleicht auffallen, dass du - nachdem du den Inhalt genau kennst - ganz anders empfindest und es auf eine andere Weise vortragen könntest. Versuche es! Versuche deine ganz persönlichen Empfindungen und Gefühle einzubauen. Denke nicht: "Ich singe jetzt ein Lied", sondern "Ich berichte mit diesem Song über meine Gefühle".

 

Damit haben wir einen weiteren wichtigen Punkt für das Sängerdasein erreicht: Du musst bereit sein, aus dir herauszugehen, in deinem Gesang aufzugehen, deine Hemmungen über Bord zu werfen. Das sagt sich so einfach! Aber es ist die richtige Philosophie fürs Singen. Wer pausenlos darüber nachdenkt, ob er nun gut, gerade oder schön singt, wird absolut gequält und künstlich wirken. Ein Sänger, der in seinem Song lebt, wirkt dagegen glaubwürdig auf die Zuhörer. Ihm nimmt man auch nicht ganz so gerade Töne ab, weil sie ehrlich sind.

 

Enthemmung kann man ebenfalls üben. Durch lautes Heraussingen zum Beispiel. Auf der Platte A Hard Day's Night von den Beatles finden wir auf der B-Seite ein schönes Übungsbeispiel mit dem Song "When I Get Home". Da beginnt der Gesang gleich mit der Vokalartistik der Liverpooler Art: WHOUO-AHH, WHOUO-AAH. Sing das mal richtig losgelöst von allem Weltlichen nach. Und anschließend gleich ähnliche Vokalmuster wie man sie bei den Beatles oft findet: OUOU-EI-JEI-JEI-JEI. Und noch mal, vorher tief Luft holen!

 

Und jetzt stell dir vor, 2000 Leute hören dir zu! Dann ist es vorbei mit der Hemmungslosigkeit? Eigentlich nicht, denn wenn du einmal tatsächlich vor einem großen Publikum stehen solltest, wirst du es gar nicht mehr bemerken, weil du dich nur auf dich und deinen Song konzentrierst. Glaube mir: Es ist schwerer, vor 20 Menschen eine Rede zu halten, als vor 2000 zu singen. Also weiter Luft holen und üben!

 


 

Atmung   top

 

Wer kennt es nicht: Erst mal tief durchatmen, zum Beispiel, wenn man sich sehr aufgeregt hat und kurz vor dem Platzen ist. Oder wenn man eine schwierige Sache gerade hinter sich gebracht hat. Durchatmen bedeutet Befreiung.

 

So ist es auch beim Singen. Die richtige Atmung macht den Sänger frei. Atmen bedeutet Energie tanken, aufladen. Das Zentrum der Atemsteuerung ist das Zwerchfell. Es trennt den Bauchraum von den Lungen. Je entspannter das Zwerchfell, desto lockerer also die Atmung. Lege dich mal entspannt auf den Rücken und atme tief und ruhig verschiedene Male ein. Du wirst herausfinden, wie dabei Bauchmuskeln und Zwerchfell in unterschiedlicher Weise eingesetzt werden. Selbst das Einatmen durch Nase oder Mund bewirkt eine unterschiedliche Aktivierung der Kräfte. Die Lungen füllen sich umso mehr, je mehr das Zwerchfell die Baucheingeweide verdrängen kann, d.h. die Bauchmuskeln dürfen dem nicht durch Anspannung entgegenwirken.

 

Wir unterscheiden hier zwischen Arbeitsatmung und Tiefatmung. Bei der Arbeitsatmung atmet man durch den Mund, um schnell viel Luft zur Verfügung zu haben. Man hat dabei eher das Gefühl, dass der Brustkorb sich füllt. Bei der Tiefatmung atmet man sehr bewusst durch die Nase ein und merkt, dass sich wohl auch der Bauch mit Luft füllt, was aber nur der Arbeitsweise des Zwerchfells (s.o.) entspricht.

 

Diese Tiefatmung ist die eigentlich entspannende, die neue Energie bringt. Für den Sänger bedeutet das, dass selbst auf die Kleidung zu achten ist. Wenn du deine engste Jeans an- und auch noch ordentlich den Gürtel zuziehst, dann wirst du Tiefatmung nicht erleben können, weil dein Zwerchfell nicht arbeiten kann.

 

Du kannst also davon ausgehen, dass ein Sänger regelrechte Atemübungen machen muss. Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass schwangere Frauen sich mit einer speziellen Atemtechnik auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten können. Sie lernen dabei, gezielt und bewusst den Körper zu spannen und zu entspannen. Nicht anders geht der Sänger vor. Nach der Anspannung des herausgesungenen Textes muss entspannt werden, neu aufgeladen werden.

 

Beim Singen eines Liedes kannst du feststellen, dass die Vokale besonders viel Luft brauchen, dass Steigerungen viel Luft verschlingen, dass bei besonders emotionalen Stellen viel Anspannung entsteht. All das musst du sofort wieder ausgleichen können. Du musst herausfinden, welche Stellen in einem Wort sich zum Luftholen eignen, wo du besonders viel Luft verbrauchst usw. Am Anfang sollte man sich diese Vorgänge einmal ganz bewusst klar machen, später - mit mehr Routine läuft das alles automatisch ab, ohne dass man lange darüber nachdenken muss.

 

Sicher hängen auch Lautstärke und Treffsicherheit der Tonhöhe von der richtigen Atemtechnik ab. Logisch: Wenn kein großer Hohlraum da ist (also eine mit Luft prall gefüllte Brust), dann kann der Ton kein Volumen entwickeln, es wird sehr gepresst klingen.

 

Töne richtig treffen kann man auch nur, wenn einem genügend Dampf zur Verfügung steht. Es ist nicht leicht, eine bestimmte Tonhöhe eines voll gesungenen Tones sofort bei der Eins des Begleitakkordes zu finden. Viele Sänger bedienen sich dabei eines Tricks. Sie singen den Ton ein wenig verzögert erst, nachdem der Akkord schon erklungen ist. Das kann man zum Stilmittel machen, aber das andere sollte man auch können. Also experimentiere oft mit deiner Atmung!

 


 

Artikulation   top

 

Von nicht unerheblicher Bedeutung ist die Umsetzung des Textes in Gesang, egal ob man nun in Deutsch oder Englisch oder sonst einer Sprache singt. Persönlich bevorzuge ich im Bereich Rockmusik das Englische, aber das sollte jede(r) Sänger(in) und jede Band selbst entscheiden. Auf Grund der Vokalbetontheit ist Englisch eben besonders geeignet, während Deutsch hart klingt wegen der vielen Konsonanten und Rachenlaute.

 

Wer sich für Englisch entscheidet, sollte aber - bitte schön - diese Sprache auch einigermaßen beherrschen, und zwar beim Sprechen und Verstehen. Viele deutsche Sänger haben eine entsetzliche englische Aussprache und klingen in meinen Ohren lächerlich. Besonders beim "th" kommen viele ins Schleudern.

Das inhaltliche Verstehen einer Sprache ist insofern wichtig, als man ja als Sänger auch das zum Ausdruck bringen will, was der Song zum Gegenstand seines Inhalts hat. Emotional und expressiv kann man nur singen, wenn man versteht, was man singt.

 

Besonders wichtig ist das Sprachkönnen, wenn man eigene Texte in einer fremden Sprache verfasst. Ich texte selbst in Englisch, habe es mir aber zur Gewohnheit gemacht, die Texte von Engländern gegenlesen zu lassen. Viele idiomatische Feinheiten kennt man einfach nicht. Nebenbei lernt man auf diese Weise eine Menge zusätzlich.

 

Welch wichtiges Ausdrucksmittel deutliches Sprechen ist, wird einem klar, wenn man daran denkt, dass Schwerhörige lernen, Wörter vom Mund des Gegenübers abzulesen. Dabei kommt es auf genaue Artikulation an. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie du sprichst und wie das auf deinen Gesprächspartner wirkt? Sicher nicht.

 

Im Alltag nimmt man es nicht sehr genau mit der Aussprache: Silben werden verschluckt, Vokale durch geschlossene Zähne gepresst, oder es wird gar hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Als Sänger(in) kannst du dir das nicht leisten, wenn du Wert darauf legst, dass dich dein Publikum auch versteht und dass deine Stimme sich deutlich von den Instrumenten absetzt.

 

Mache also durchaus mal Sprechübungen. Nimm dir irgendeinen Text vor, vielleicht sogar ein Gedicht, und sprich ihn auf eine Kassette. Beim Anhören merkst du sofort, wo Mängel sind. Bist du zum Beispiel in der Lage, deinen Heimatdialekt abzulegen? Schau dir beim Sprechen im Spiegel zu. Bewegt sich dein Mund eindeutig? Ist ein O auch sichtbar oder ein U oder ein A oder ein E? Wie steht es mit dem SCH?

 

Schließlich wäre auch noch zu testen, ob man als Sänger in der Lage ist, einen Text dramatisch zu gestalten. Kannst du dich steigern von ganz leise nach sehr laut? Ist die Betonung abwechslungsreich, entspricht sie dem Inhalt? Wie bringst du Empfindungen rüber?

 

Als Beispiel empfehle ich dir, die eine Ballade (z. B. "Der Zauberlehrling" von Goethe) einmal laut vorzutragen und wiederum mit dem Recorder aufzunehmen. Auch hier wirst du beim Abhören feststellen, ob dein Vortrag glaubwürdig ist. Gerade diese Ballade bietet sehr gut die Möglichkeit, mit der Stimme Spannung aufzubauen und die Dramatik der Handlung zu unterstützen.

 

All das sind Wege, Sprechsicherheit zu bekommen und diese dann auf das Singen zu übertragen. Allein durch den Ausdruck und die Artikulation kann man sehr unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Nehmen wir einmal die sinnige und vielbenutzte Liedzeile "I love you". Auf Grund der Aussprache erreichst du es, die Zeile so zu gestalten, dass es auf der einen Seite total verliebt klingen kann, auf der anderen wie ein Schrei, eine Anklage. Eine solche Zeile beinhaltet von sich aus schon eine gewisse Melodik.

 


 

Vokale   top

 

Bei der Beobachtung der Aussprache von Lauten achten wir darauf, was mit Lippen, Zähnen, Zunge und Kiefer passiert, denn dies ist für Außenstehende zu erkennen. Nicht sichtbar sind die Vorgänge, die im hinteren Teil der Mundhöhle und im Rachenraum geschehen. Auf sie kann nur jeder selber achten.

 

i - Die Lippen sind schmal geöffnet, in die Breite gezogen und gespannt. Die Zähne sind fast geschlossen und bis weit nach hinten sichtbar. Die Zunge hingegen ist kaum oder gar nicht zu sehen. Der Kiefer bewegt sich kaum.

 

u - Die kaum geöffneten Lippen werden gerundet und stark vorgestülpt. Zähne und Zunge sind nicht sichtbar. Der Kiefer bewegt sich fast unmerklich nach vorn-unten.

 

e - Fingerbreit geöffnete Lippen, die breit gezogen und etwas gespannt werden, lassen die Zähne etwas sichtbar werden. Auch die Zunge schaut ein wenig hervor und stößt an die unteren Schneidezähne.

 

a - Die Lippen sind weit geöffnet und locker. Die Zähne klaffen weh auseinander und sind unten und oben sichtbar. Der Kiefer bewegt sich deutlich nach unten.

 

o - Gerundete Lippen bilden einen Kreis und sind leicht vorgestülpt. Zähne und Zunge bleiben verborgen, während der Kiefer sich etwas nach unten bewegt.

 


 

Satzgesang   top

 

Egal, ob du nun Solosänger bist, ob ihr einen kleinen Chor habt oder ob du als Instrumentalist selbst singst oder den Sänger (die Sängerin) unterstützt: irgendwann kommt der Punkt, an dem ihr euch Gedanken über die Gestaltung des Bandgesangs machen müsst. Es gibt sicher Sänger, deren Ausstrahlung so groß ist, dass sie alleine schon mit ihrer Stimme die Band prägen. Als Beispiel möchte ich Peter Hamill nennen, der von seiner Art der Phrasierung her so herausragend ist, dass man sich unmöglich eine weitere Sangesbegleitung dazu vorstellen kann.

 

Die Rockbands der 60er- und 70er-Jahre waren gesangsmäßig überwiegend mehrstimmig angelegt, angefangen bei den Beatles. Die Zusammenführung der Stimmen von John Lennon und Paul McCartney war wirklich ein Glücksfall in der Geschichte der Rockmusik. Wenn wir an andere Bands denken wie die Mamas and Papas, Beach Boys, Crosby, Stills, Nash & Young oder auch die Byrds mit ihrem "Mr. Tambourin Man", dann sind wir mitten drin im Thema aller Sänger und Bands, dem Satzgesang. Bei uns demonstrieren Gruppen wie Die Prinzen, wie man satztechnisch hervorragend singt.

 

Allerdings: Zwischen dem Satzgesang eines Bachchores und dem in der Rockmusik bestehen Unterschiede, die sich nicht in einfache Formeln pressen lassen. In Rockbands ist es ja doch eher dem Zufall überlassen, welche Stimmen und Stimmlagen zusammentreffen. Der Harmoniegesang im Rock ist geprägt von der Rauheit und Ungeschliffenheit unausgebildeter Stimmen. Dies - so meine ich - macht aber gerade den besonderen Reiz aus. Nicht die totale tonale Sauberkeit ist gefragt, sondern die Brechung und Schwebung, die Ursprünglichkeit und auch das Augenblicksgefühl. Das soll nicht heißen, dass Rockmusiker nicht auch auf ihre Weise eine hohe Perfektion im Gesang erreichen können. Im Gegenteil. Gerade die oben genannten Gruppen zeichnen sich dadurch aus und - was noch bemerkenswerter ist - sie haben gerade durch die Art ihres Harmoniegesangs ihren hohen Wiedererkennungswert gefunden.

 

Wie kommt eine junge Band nun zu ihrem Satzgesang? Der erste Schritt wäre, die vorhandenen Stimmen zu testen. Das geschieht am besten dadurch, dass ihr euch mehrstimmige Gruppen anhört und versucht, deren Songs nachzusingen. Dabei fangt ihr auf der untersten Stufe an. Zuerst wird einstimmig gesungen. Das bedeutet, alle singen die gleiche Stimme, aber mit der eigenen Stimmlage.

 

Bei diesen ersten Versuchen ist es völlig unsinnig, wenn die komplette Band lautstark mitspielt. Es reicht, dass der (die) Gitarrist(in) oder Keyboarder(in) die Sänger(innen) um sich versammelt und die Grundakkorde spielt, zu denen gesungen wird. Aber auch sonst - bei fortgeschrittener Gesangstechnik - wird der Song erst einmal quasi trocken geübt. Andernfalls gehen schnell Feinheiten im allgemeinen Sounddampf unter.

 

Erst wenn die Einstimmigkeit voll erreicht ist (dazu gehören die Einsätze ebenso wie die Tonsicherheit), solltet ihr euch an eine weitere Stimmverteilung wagen. Zu prüfen ist nun, wer in welchen Lagen singt, wer gar mit Kopfstimme besonders hoch kommt. Wieder greift ihr euch einen Song heraus und verteilt die Rollen. Hört genau hin, wie die Melodieführung der Grundmelodie ist und wie eine dazu passende zweite Stimme angelegt ist. Nun kann der eine Teil von euch die Hauptmelodie singen, während der andere versucht, z.B. eine höhere zweite Stimme mitzusingen. Oft liegt die höhere Stimme lediglich eine Oktave höher, es kann aber auch sein, dass im Terzenabstand zu singen ist. Da ist es schon recht schwierig, nicht wieder in die Grundlinie zu fallen. Vielleicht kann euch euer(e) notenfeste(r) Keyboarder(in) helfen, indem er (sie) immer mal sowohl die erste als auch die zweite Stimme wechselweise mitspielt.

Soll es nun an weitere Stimmverteilungen gehen, arbeitet ihr ebenso weiter. Ganz vertrackt wird die Sache, wenn zur Hauptmelodie eine weitere eigenständige Melodie kommt. Hört euch von den Beatles das Album "Help!" an, dann wisst ihr, was ich meine. An eine derartige Aufgabe solltet ihr erst herangehen, wenn ihr insgesamt schon sichere Harmoniker geworden seid.

 

Nach ausgedehnten Vorübungen kommt dann die Nagelprobe: das Singen mit der kompletten Band. Das wird zuerst mächtig schief klingen, weil man nun automatisch lauter singt und dadurch die Treffsicherheit verliert. Macht nichts! Bleibt am Ball, es lohnt sich!

 


 

Live   top

 

Wenn der erste Auftritt bevorsteht, versagen den Sängern und Sängerinnen in schöner Regelmäßigkeit die Stimmen. Man ist plötzlich "total heiser" und unpässlich. Keine Angst! Lampenfieber muss sein, diese Anzeichen haben selbst Profis. Ich habe es erlebt, dass ausgebildete Opernsängerinnen fünf Minuten vor dem Konzert erst einmal vom Dirigenten wieder aufgebaut werden mussten.

 

Natürlich, wenn du vorher noch nie vor einem Publikum gesungen hast, musst du schon über eine mächtig hohe Hürde springen. Aber du kannst selbst etwas tun, um deine Unsicherheit in Grenzen zu halten. Deine Texte zum Beispiel solltest du im Schlaf kennen, damit du dich nur auf deinen Gesang konzentrieren brauchst. Bedenke, dass eine noch so gut vor dem Spiegel einstudierte Show auf einer Bühne vor neutralen Zuschauern absolut blöd aussehen kann. Heutige Konzertbesucher sind von den großen Stars gewaltige Shows gewöhnt. Damit kannst du ohnehin nicht konkurrieren. Also gib dich zunächst möglichst natürlich, versuche, dich und dein Feeling auszudrücken. Die Zuhörer erwarten von dir und deiner Band keine Sensationen. Könnt ihr als Newcomer auch gar nicht bringen. Was euer Publikum aber erwarten darf, ist, dass ihr gut vorbereitet seid, dass ihr euch darstellt und dass ihr einen persönlichen Stil entwickelt habt oder auf dem Weg dahin seid.

 

In den 60er-Jahren waren die Sänger von Amateurbands in der Regel nicht sie selbst. Die Bands spielten fast ausschließlich Songs nach. Wer "The House Of The Rising Sun" sang, musste daher auch wie Eric Burdon klingen. Oder bei "Don´t Ha Ha" gab man als Sänger eben den Casey Jones. Wer heute wie Phil Collins oder Cher daherkommen wollte, würde sicher nur Hohn und Spott ernten. Sei also zunächst du selbst, singe so, wie du es am besten kannst. Entwickle deinen eigenen Stil.

 

Auf der Bühne sollte alles klar sein. Das heißt, das Programm steht fest, die Reihenfolge der Songs ist abgesprochen, ja, sogar über Zugaben seid ihr euch schon einig. Bands, die beim Konzert darüber diskutieren, was als Nächstes gespielt werden soll, sind unprofessionell und nerven nur. Im Übrigen dient eine solche Planung wieder eurer Sicherheit.

 

Welches Publikum euch erwartet, wisst ihr vorher kaum. Allenfalls dann, wenn ihr in eurem Stammjugendheim oder eurer Schule spielt. Da sind dann vielleicht alle auf eurer Seite. Ein fremdes Publikum muss erst noch gewonnen werden. Sänger übernehmen oft die Aufgabe, den Kontakt zwischen Band und Zuhörern zu knüpfen. Auch hier ist die große Pose und das Klopfen dummer Sprüche unangebracht. Überlege vorher, was du sagen könntest. Ich habe es immer so gehalten, dass ich zu den einzelnen Songs ein wenig erklärt habe, etwa wie sie entstanden sind, welche Ideen ihnen zu Grunde lagen. Ebenso habe ich schon ziemlich zu Beginn die Band vorgestellt und zu jedem Musiker eine persönliche Bemerkung gemacht. Das alles kann man auf witzige Art ohne Angeberei machen. Auf keinen Fall solltest du dich auf einen verbalen Schlagabtausch einlassen, indem du auf irgendwelche provozierenden Zwischenrufe aus dem Saal reagierst.

 

Wenn ihr dann öfter irgendwo gespielt und Erfahrung gesammelt habt, wird es Zeit, Bilanz zu ziehen. Du hast unterschiedliches Publikum kennen gelernt, hast positives und negatives Feedback gespürt. Besonders bei Ablehnung sollte man nicht zu persönlich reagieren ("Ich singe nie wieder!"), sondern daraus Lehren ziehen. Vielleicht war der Programmablauf nicht optimal? Oder das Zusammenspiel? Oder war es die Songauswahl, zu schnell, zu langsam? War gar die Anlage nicht richtig eingestellt, hat man den Gesang überhaupt gehört, war es total laut?

 

Gerade der letzte Punkt ist für dich als Sänger sehr wichtig. Es gibt nichts Schlimmeres als eine dröhnende Anlage, in der der Zuhörer nichts mehr differenziert wahrnehmen kann. Da kannst du dir die Seele aus dem Bauch singen, von Gefühl keine Spur. Ich habe es daher als sehr großes Lob empfunden, als die Presse einmal über ein Konzert meiner Band schrieb: "Besonders lobenswert war die angenehme Lautstärke, in der sich das Konzert abspielte."

 

Als Bühnenneuling wirst du es auch kaum durchhalten, 90 Minuten (und so lange muss ein alleiniger Auftritt schon dauern) gegen den Rest der Band anzusingen. Als Sänger solltest du darauf achten, dass nicht nur die Powersongs gespielt werden, sondern auch langsamere Sachen. Auch musst du deinen Mitstreitern Platz lassen fürs Solospiel oder für reine Instrumentaldinger. Du brauchst diese Pausen zur Stimmerholung. Übrigens ist es für deine Stimme auch nicht sehr gesund, wenn du während des Gigs eiskalte Cola oder gar Alk tankst. Alle Sänger, die etwas auf sich halten, trinken zum Beispiel leicht angewärmte Gesunddrinks, etwa Kamillentee.

 


 

Mikrofontechnik   top

 

Der richtige Umgang mit dem Mikrofon will gelernt sein. Wer einmal bei einem Konzert einen Profisänger genau beobachtet, wird schon einige Besonderheiten bemerken. Ein Mikrofon hat ja die Aufgabe, eine Stimme möglichst unverfälscht zu übertragen. Das schafft aber kein Mikrofon. Sein Übertragungsverhalten ist aber so zu beeinflussen, dass es die Stimme in der jeweiligen Situation optimal rüberbringt.

 

Die meisten dynamischen Mikrofone haben den so genannten Nahbesprechungseffekt. Der wirkt natürlich auch beim Singen. Immer dann, wenn man besonders nah an das Mikrofon herangeht, werden die Frequenzen der Stimme in den tiefen Lagen angehoben. Dadurch klingt die Stimme besonders voll und warm und hat viel Power. Das ist erwünscht bei intensiven Songstellen, zum Beispiel in Balladen, um die berühmte "Gänsehaut" zu erzeugen (Beispiel 1).

 

Nicht so günstig ist die Nahbesprechung, wenn der (die) Sänger(in) selbst schon mit aller Kraft singt und sich am Rande der Stimmreserve bewegt. Dann kann es zu viel des Guten sein und der Klang unangenehm dröhnend wirken. Der erfahrene Vokalist wird an solchen Stellen den Abstand zum Mikrofon vergrößern, um die Anhebung auszugleichen (Beispiel 2).

 

Ganz gefährlich wird es, wenn der (die) Sänger(in) an Grenztöne stößt. Das ist der Fall, wenn es hoch und gleichzeitig sehr laut wird. Auch Profis sind dann oft nicht sehr genau beim Treffen des richtigen Tones. Bei Nahbesprechung des Mikros kommt dann der Ton schrill und fast schräg aus der Anlage. Hier hilft als Trick, ein wenig über das Mikrofon hinweg zu singen. Der Hauptschall trifft es so gar nicht. Dennoch ist der Ton laut genug, dass ihn das Mikrofon noch aufnehmen kann. Durch die Entfernung jedoch wird der Klang quasi harmonisiert, d.h. er verbindet sich mehr mit den übrigen Klangquellen. Von schrägem Gesang kann nun keine Rede mehr sein (Beispiel 3).

 

Falsch ist auf jeden Fall eine Mikrofonhaltung, bei der das Mikrofon nach oben zeigt. Mikrofone mit ausgesprochener Richtcharakteristik sind an der Stelle, wo hier die Schallwellen des Gesanges auftreffen, am unempfindlichsten. Die Sprech- bzw. Singachse muss immer in die Längsachse des Mikrofons übergehen. Diesen Fehler machen viele Laien und wundern sich, dass es mager klingt (Beispiel 4).

 


 

Ausstattung   top

 

Nur mit der Stimme alleine - das ist klar - steht jede(r) Rocksänger(in) ziemlich hilflos da. Technische Ausrüstung gehört, ob du willst oder nicht, einfach dazu.

 

Da wäre zunächst einmal die Übertragungsanlage (PA). Die technischen Grundlagen dazu kannst du im Kapitel "Technik" nachlesen. Die PA einer Band sollte so beschaffen sein, dass sie auf jeden Fall mehr Leistung bringt als die einzelnen Instrumentalanlagen. Außerdem sollte für den Gesang - falls finanziell möglich - ein eigener Abstrahlweg reserviert bleiben. Oft wird der Fehler gemacht, dass alle Instrumente noch einmal über die PA abgemischt werden, auch wenn der Auftrittsraum sehr klein ist und die PA aus nur zwei Boxen besteht. Das hat natürlich zur Folge, dass das Ergebnis der Soundmischung ein rechter Brei ist. In einem kleinen Saal reichen die Instrumentalanlagen aus, sodass die PA nur für Gesang oder akustische Instrumente zur Verfügung steht. Bei der Beschallung größerer Räume oder gar Hallen braucht ihr ohnehin eine große Anlage. Diese wird in zwei Wege geteilt: Der erste dient der Abmischung der Instrumente, der zweite dem Gesang. Auf diese Weise können jeweils Klang und Lautstärke getrennt beeinflusst werden, sodass der Bühnensound immer transparent bleibt.

 

Eine weitere Voraussetzung für Sänger(innen) ist, dass sie sich gut hören können. Profis oder gut ausgestattete Amateure machen das mit einer getrennten Monitoranlage. Bei Anfängern ist das nicht zu erwarten. Das bedeutet, dass die Musiker sich immer dann sehr zurückhalten müssen, wenn der (die) Sänger(in) dran ist. Das gilt auch schon für den Übungsraum. Mache deinen Mitmusikern klar, dass deine Stimme ein wichtiger Baustein im Bandsound ist und dass du nur dann qualitativ gut singen kannst, wenn du hörst, was aus den Boxen kommt. Du kannst eben nicht wie der Gitarrist den Verzerrer oder Powerboost einschalten und ab geht die Post.

 

Schließlich brauchst du auch noch ein Mikrofon und ein Stativ. Ein Stativ würde ich auf jeden Fall anschaffen, auch wenn du das Mikro überwiegend in der Hand hältst. Irgendwann hast auch du deine Pause und dann ist es günstig, eine Ablage für das Mikro zu haben. Man kann es natürlich auch irgendwo hinlegen, ich bin aber nicht sicher, ob es dann sehr alt wird.

 

Bei den Stativen haben sich die zusammenklappbaren in zwei Versionen durchgesetzt, nämlich als gerades und als Galgenstativ. Gitarristen, die außerdem singen, bevorzugen ein Galgenstativ wegen der Raumfreiheit. Für dich reicht vielleicht ein gerader Mikroständer, aber das musst du selbst entscheiden. Diese Stative sind sehr preiswert, die Füße sind wegklappbar oder schraubbar, die Ständerrohre einschiebbar. Es gibt auch weitaus teurere Mikrostative, die noch mit einem Trittschalldämpfer ausgerüstet sind, aber das muss nicht sein. Profistative haben oft statt der schraub- oder klappbaren Füße einen schweren Gussteller. Sieht gut aus, erhöht aber das allgemeine Transportgewicht. Optisch gut kommen Stative, die farbig eloxiert sind. Geschmackssache!

 

Dein Mikrofon musst du sorgfältig auswählen, indem du verschiedene Typen in einem Musikgeschäft antestest. Wenn du von Natur aus eine tiefe kräftige Stimme hast, ist für dich möglicherweise ein Mikro mit Naheffekt weniger geeignet. Oder umgekehrt: Ist deine Stimme eher dünn, so kann sie eine kräftige Bassanhebung gut vertragen. Viele Mikros können auf beide Eigenschaften umgeschaltet werden. Genauso wichtig bei der Auswahl ist die Rückkopplungsfestigkeit des Mikrofons. Gerade in engen Übungsräumen kann man dem Schallstrahl der Lautsprecher kaum entgehen. Mikrofone mit einer Supernieren-Charakteristik erfüllen diese Bedingung gut.

 

Shure SM58

Bestimmte Mikrofone haben sich in aller Welt auf den Bühnen durchgesetzt. Das Shure SM58 kann man immer wieder sehen. Es ist inzwischen relativ preiswert geworden. Aber auch andere Firmen wie AKG, Beyerdynamic oder Electro Voice bieten den Sängern gute Vokalmikrofone. Jedenfalls solltest du nicht unbedingt sparen wollen, deine Mitmusiker haben auch teure Instrumente gekauft. Ein Billigmikrofon aus dem Elektronikladen an der Ecke schadet der Übertragungsqualität. Achte beim Mikrofonkauf darauf, dass ein entsprechendes (langes) Kabel und die Mikrofonklemme mitgeliefert werden und dass die Steckverbindung professionell, also verriegelbar ist (XLR, Cannon). Wichtig zu wissen ist auch, dass die verschiedenen Mikrofonhersteller ihre Kabel und Anschlüsse unterschiedlich beschalten. Ein AKG-Mikrofonkabel kann z. B. nicht für ein Shure-Mikro verwendet werden. Für jedes Mikro sollte also auch ein entsprechendes Kabel vorhanden sein.

 

 


 

Sängerinnen und Sänger   top

 

Die folgenden Sängerinnen und Sänger zeichnen sich aus durch die Unverwechselbarkeit ihrer Stimme und ihres Stils. Durch Anklicken der Fotos öffnet sich eine Wikipedia-Seite für nähere Infos.

 

 
Julie Driscoll John Fogerty Joe Cocker Peter Gabriel
       
Steve Winwood Inga Rumpf Robert Plant Cher